Stenzel-Interview aus dem Jahr 2005: "Brauche keine Event-Unkultur"

Ursula Stenzel am 18. Oktober 2005
Ursula Stenzel am 18. Oktober 2005Clemens Fabry / Die Presse
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Interview. Wie Ursula Stenzel als Bezirksvorsteherin Ruhe in die Innere Stadt bringen will.

Ursula Stenzel, die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, wird bei der Wien-Wahl 2015 nicht mehr für die ÖVP antreten (Mehr dazu in ÖVP demontiert Stenzel). Lesen Sie hier ein "Presse"-Interview aus dem Oktober 2005, kurz nachdem sie vom damaligen VP-Wien-Chef Johannes Hahn als Spitzenkandidatin für die Innere Stadt präsentiert worden war. Das Gespräch führten Rainer Nowak (damals Ressortleiter Wien, heute "Presse"-Chefredakteur) und Erich Kocina (heute stv. Ressortleiter Wien).

Die Presse: Wie soll Ursula Stenzel, die die vergangenen Jahre vor allem in Brüssel verbracht hat, die Probleme der Innenstadt verstehen?

Ursula Stenzel: Wenn Sie Verstand haben um europäische Probleme auf europäischer Ebene zu lösen, haben Sie sicherlich genügend Verstand, um auch kommunalpolitische Probleme zu erkennen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Probleme in der Inneren Stadt?

Stenzel: Ich möchte, dass der erste Bezirk endlich wieder attraktiv wird. Wenn ich durch die Innere Stadt gehe, habe ich das Gefühl, ich könnte genau so gut am Donauinselfest sein.

Was wollen Sie da ganz konkret dagegen unternehmen?

Stenzel: Ich muss nicht am Stephansplatz jedes Zeltfest haben. Ich muss auch nicht Zeltstädte für karitative Organisationen aufbauen. Ich muss nicht 165 Tage am Rathausplatz Event-Unkultur haben, die man bis zur Bühne des Burgtheaters hört.

Aber da müssten Sie auch gegen das Wiener Stadtfest der Volkspartei etwas haben. Da verlassen ja manche Bewohner die Innenstadt.

Stenzel: Ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich verlasse die Stadt zu diesem Zeitpunkt auch.

Sind solche Feste nicht auch ein Wirtschaftsfaktor?

Stenzel: Das Stadtfest ist eine revolutionäre Idee seiner Zeit. Damals war nicht so viel los, jetzt ist es viel mehr. Touristen kommen in die Innere Stadt, um in Ruhe einzukaufen und in die Cafés zu gehen. Aber die, die auf der Straße bei diversen Pantomimen stehen bleiben, sind kein Gewinn für das geschäftliche Leben der Inneren Stadt. Das kann mir keiner einreden.

Aber etwa das Opernfestival funktioniert ja gut, auch für Touristen.

Stenzel: Das ist eine ausnahmsweise gute Idee, weil das in die tote Saison der Bundestheater fällt. Aber nehmen sie dagegen den Eislaufplatz mit diesen Technosounds.

Was sagen Sie zu Punschständen?

Stenzel: Ich bin gegen diese Punschstände.

Auch jene mit karitativem Zweck, etwa vom Lions-Club?

Ursula Stenzel und
Ursula Stenzel und "Presse"-Ressortleiter Rainer Nowak am 18. Oktober 2005(c) FABRY Clemens

Stenzel: Die die eingeführt sind, werde ich nicht beschneiden, weil ich weiß, dass sie wertvoll sind für den Stephansdom und viel Geld einbringen. Lions und die karitativen Sachen, warum nicht. Da gehe ich auch gern hin.

Was wollen Sie konkret am Rudolfsplatz machen?

Stenzel: Einen Architektenwettbewerb, der eine städtische und stadtplanerische Lösung anbietet. Und als Sofortmaßnahme dieses unappetitliche Klo, das immer wieder umgeworfen wird, das werde ich sofort entfernen lassen. Und wenn ich dabei gegen ein Gesetz verstoße.

Das reicht doch nicht, um die Sicherheit zu verbessern.

Stenzel: Nehmen Sie zum Beispiel London: Dort sind herrliche Parks in der City gesperrt. Da haben dann nur Private Zugang.

Das wollen Sie wirklich?

Stenzel: Why not? Und ich bin dafür, dass man die Videokameraüberwachung ausdehnt, als Erstmaßnahme. Auch in der Bellaria- und vor der Babenberger-Passage.

Sie fahren einen scharfen Kurs, gleichzeitig bemüht sich die ÖVP um Jungwähler. Etwa mit einer Homepage mit Fotos, auf denen man in Lokalen feiernde und trinkende Kids sieht.

Stenzel: Das ist einer dieser Dirty-Tricks, die dann immer wieder passieren. Ich finde aber so Jux-Homepages nicht unbedingt gut.

Ist es für die ÖVP, die jung und urban sein will, nicht unglaubwürdig, wenn Sie mit einem harten Kurs für mehr Sicherheit und mehr Polizei ins Rennen geschickt werden?

Stenzel: Na aber auch für mehr Urbanität, weniger Donauinselmentalität und Ronacher-Musical-Unkultur, entschuldigen Sie bitte.

Was halten Sie vom Wählen mit 16?

Stenzel: Nicht so viel.

Johannes Hahn sieht das aber anders.

Stenzel: Ich habe mich nicht danach gesehnt mit 16 schon zur Wahl zu gehen. Ich war sehr glücklich, als ich dann mit 18 ging. Meistens sind Jugendliche entweder Protest- oder Nachwähler der Eltern. Ich sage Ihnen ehrlich, es ist nicht unbedingt erforderlich.

Gerade auf kommunaler Ebene kann ein bisschen Mitbestimmung für junge Leute zu mehr Verantwortungsbewusstsein führen.

Stenzel: Ja, aber bisherige Wahlen haben gezeigt, dass die Beteiligung nicht sehr hoch ist.

Wie viele Parkplätze haben Sie?

Stenzel: Ich habe gar keinen. Ich habe in meinem Büro in der Schenkenstraße einen Dienstparkplatz und mein Parkpickerl. Und ich bin glücklich, dass ich es habe.

Aber warum haben Sie beides?

Stenzel: Weil das eine das andere nicht ausschließt.

Aber wenn man ein Parkpickerl anfordert, muss man angeben, ob man schon einen Parkplatz im Bezirk hat.

Stenzel: Ja, aber nur einen privaten Parkplatz.

Woher die Geschichte, Sie hätten einen Platz in einer Volksgarage?

Stenzel: Nachdem ich Anfragen von Bürgern bekommen hatte, fragte ich den Bezirksvorsteher, ob diese Neue Markt Garage realisiert wird. Und im Laufe des Gesprächs habe ich gefragt, ob er mir einen Tipp gibt, an wen ich mich wenden kann, sollte ich einmal so etwas brauchen. Ich habe wie jeder normale Bürger gefragt.

Sie sind aber kein normaler Bürger.

Stenzel: Ich will nicht besser, aber ich will auch nicht schlechter behandelt werden, als jeder normale Mensch, der hier lebt.

("Die Presse", Printausgabe, 19.10.2005)

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