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Landung auf Komet: "Jetzt liegt es an der Schwerkraft"

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So stellt sich der "Abstieg" des Landers Philae in einer Animation der ESA darREUTERS

Schrecksekunde bei der ESA: Ein Düsensystem, das Philae beim touch-down auf den Boden drücken soll, weist Schadenssymptome auf. Es könnte Philaes Fixierung auf der Oberfläche erschweren.

"Jetzt liegt es an der Schwerkraft, ihn runterzubringen". Mit diesen Worten drückte Stefan Ulamec vom deutschen Raumfahrtzentrum die Machtlosigkeit der Forscher auf, den Lander "Philae" in den Stunden zwischen dem Ausklinken von der Raumsonde Rosetta und der geplanten Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko noch irgendwie zu beeinflussen.

Und die Landung könnte in Gefahr sein: Wie "Die Presse" durch einen Mitarbeiter des Philae-Steuertrupps in dessen Kommandozentrum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln erfuhr, ist die sogenannte Kaltgasdüse auf der Oberseite des kühlschrankgroßen Landers defekt. Sie soll die Landung des Gerätes auf dem Kometen erleichtern.

Das Problem sei in der Nacht auf Mittwoch aufgetreten und habe bisher nicht wirklich behoben werden können, sagte Günter Kargl, aus der Steiermark stammender Mitarbeiter des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF). In dem Gasdüsensystem ist Stickstoff bei einem Druck von 60 Bar aufbewahrt. Wenn eines der drei Landebeine der Sonde Bodenkontakt hat, das soll gegen 16.30 MEZ sein, werden nicht nur zwei Harpunen zur Verankerung in den Boden geschossen, sondern wird auch die Düse aktiviert: Aus der soll das Gas nach oben schießen und den Lander zusätzlich zu Boden drücken, um das Abprallen zu verhindern; zudem sollen sich dadurch Schrauben an den Fußspitzen der Beine leichter in die Oberfläche vorarbeiten können.

Etwas Druck wäre besser

Ohne die Düse aber fehlt sozusagen die Hand, die Philae zu Boden presst, nämlich wie geplant für etwa fünf bis zehn Sekunden. Wegen der geringen Schwerkraft auf dem Kometen wiegt Philae, deren Gewicht auf der Erde 98 kg beträgt, dort oben nur etwa zwei Gramm, der Vergleich mit einem Blatt Papier wird oft zitiert. Schon eine leichte Rückfederung würde Philae daher wohl ins All schleudern.

Kargl erklärt, dass der Druckanzeiger nur etwa ein Bar Druck melde - dann wäre der Gasbehälter praktisch leer, vielleicht wegen eines defekten Ventils. Man gehe allerdings derzeit davon aus, dass der Druckmesser kaputt sei. Das Gassystem stammt angeblich aus der Schweiz. Zudem könnte die Landung auch ohne die "helfende Hand" gelingen, meint Kargl.