Die Bank finanziert das Studium und erhält dafür zwischen fünf und zwölf Prozent des späteren Gehalts der Absolventen.
Wien. Studentenkredite sind in Österreich eher die Ausnahme denn die Regel. Einen einzigen solchen Kredit hat etwa die heimische Erste Bank im Vorjahr vergeben, so Erste-Bank-Privatkundenvorstand Peter Bosek am Mittwoch vor Journalisten. Wem sein Studium nicht von den Eltern finanziert werden kann, jobbt hierzulande lieber nebenher, statt sich für die Bildung zu verschulden. Ein Studium bei einer renommierten ausländischen Universität mit Studiengebühren von meist 30.000 Euro pro Jahr ist auf diese Weise jedoch kaum möglich – auch dann nicht, wenn die Fähigkeiten dafür vorhanden wären.
Für solche Studenten hat die Erste Bank nun ein neues Angebot: Sie können die Bank in ihre Ausbildung investieren lassen. Der Student werde dabei sozusagen zu einer Aktie, an deren Erfolg die Bank beteiligt ist. Konkret werden von einer Tochter der Ersten Bank die Kosten für die Studiengebühren in voller Höhe sowie die Lebenshaltungskosten bis zu einem Ausmaß von 1000 Euro pro Monat (und maximal 28.000 Euro in Summe) übernommen. Im Gegenzug erhält die Bank nach Abschluss des Studiums bis zu zehn Jahre lang zwischen fünf und zwölf Prozent des Bruttogehalts.
Um die Finanzierung erhalten zu können, muss zuvor ein genauer Karriereplan vorgelegt sowie ein Persönlichkeitstest gemacht werden. Zudem wird der Fokus auf technische und wirtschaftliche Studien gelegt. „Das ist ja kein geschenktes Geld, sondern soll ein Geschäft sein. Wir übernehmen jedoch das Risiko, wenn nachher bei der Karriere nicht alles so läuft wie geplant“, so Bosek. (jaz)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2014)