Die Kampagne #stolzdrauf polarisiert

Screenshot #Stolzdrauf Webseite
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Zweiklassengesellschaft auf Twitter und Facebook. In den ersten 48 Stunden sollen 500.000 Menschen erreicht worden sein.

Es ist, wie es (fast) immer ist: Was auf Twitter, der Social-Media-Blase der Meinungsmacher-Elite, durch Sonne, Mond und Sterne geschossen wird, hat in Wirklichkeit gute Chancen auf Erfolg. #stolzdrauf, die jüngste Kampagne aus dem Hause Kurz, wurde vom Start weg zum Ziel von Zorn, Spott und Häme. Es gab Verballhornungen von #strolzdrauf bis #scheissdrauf. Vor allem, dass Andreas Gabalier mitmacht, stört viele.

Allerdings: Auf Facebook sieht die Welt schon anders aus. Umstritten ist die genaue Zugriffszahl. Laut Ministerium wurden in den ersten 48 Stunden 500.000 Menschen erreicht. 20.000 Posts wurden jedenfalls von der eigentlichen Plattform www.stolzdrauf.at abgesetzt, auf der man sein Foto, worauf man stolz ist, in einen Rahmen stellen und verschicken kann.

Ganz so locker hat man die beißende Kritik auf Twitter anfangs im Integrationsressort nicht genommen. Nun aber fühlt man sich bestätigt. Schließlich sei die Kampagne ja für Facebook konzipiert worden. Und dort sei das Publikum eben ein anderes. Nicht nur bodenständiger, es gebe dort auch viel mehr Migranten als auf Twitter. Was schon insofern stimmt, als insgesamt viel mehr Menschen Facebook als Twitter nützen. Allerdings gab es auch Twitterer mit Migrationshintergrund, die Kurz verteidigten.

Stimmig ist der Befund aber allemal: Migranten, die nicht in Medien, Politik oder ähnlichen Berufen tätig sind, haben weit weniger Probleme damit, der Öffentlichkeit mitzuteilen, worauf sie in ihrer (neuen) Heimat stolz sind. Und so meinte Sebastian Kurz in der „ZiB24“: „Es gibt einen linken und rechten Rand, der Störgeräusche verursacht. Gott sei Dank aber die breite Masse, die mitmacht.“

In diesem Licht ist auch die Beteiligung von Andreas Gabalier an dieser Aktion zu sehen. Er hat eben viele Fans. Sehr, sehr viele.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2014)