Lichtduschen, Blinkgewitter, Objektkunst

Weihnachtsdeko, die am Sehnerv zerrt.

Es haben noch nicht einmal alle Bäume ihr Laub abgeschüttelt, schon baumeln Lichterketten von den Balkonen, parken die ersten Rentiergespanne in den Vorgärten, klettern Weihnachtsmänner über die Fassaden, geradeso, als planten sie einen Dämmerungseinbruch. Advent setzt eben nicht nur kommerziell, sondern auch dekorativ immer früher ein. Das muss man als Nachbar und Passant mögen.

Viele mögen es zunehmend nicht: aus atmosphärischen oder spirituellen oder Weiß-Gott-welchen-Gründen. Auf der Hand liegen zumindest die ästhetischen Argumente gegen den zunehmenden Xmas-Overkill: Denn er gibt allen den Freibrief, die Öffentlichkeit noch ungestrafter mit schmückendem Beiwerk zu behelligen als unter dem Jahr. Blinkgewitter, Lichtduschen und Objektkunst: Was sehnt man sich doch an einen stillen, schmuckfreien Ort. Im Wald. Eine kleine Hütte. Ohne Punsch, mit echten Tieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2014)

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