USA: "Zu-groß-zum-Scheitern-Sache ist enormes Problem"

Fed-Chef Ben Bernanke
Fed-Chef Ben Bernanke(c) Reuters (Kevin Lamarque)
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US-Notenbankchef Ben Bernanke übt heftige Kritik an der Kontrolle des Finanzystems. Er fordert daher eine stärkere Kontrolle besonders von systemrelevanten Finanz-Institutionen.

Angesichts der schlimmsten Finanzkrise seit den 1930er Jahren forderte US-Notenbankchef Ben Bernanke am Dienstag in Washington eine weitreichende Reform der Finanzmarktaufsicht, um die Wiederholung der derzeitigen Krise zu verhindern.

"Finanzsystem als Ganzes regulieren"

Er übte dabei heftige Kritik an der Aufsicht. Fehler in diesem Bereich hätten die Wirtschaftskrise herbeigeführt. Bernanke forderte daher ein weltumspannendes Sicherheitsnetz gegen künftige Finanzmarktkrisen: "Wir brauchen eine Strategie, wie das Finanzsystem als Ganzes reguliert werden kann." Die jetzige Finanzkrise sei durch eine Schwemme von Investitionen in den USA ausgelöst worden. Die Aufsichtsbehörden hätten dabei versagt, den sorgsamen Umgang mit Kapital sicherzustellen. Es sei wichtig, dass künftig die Aufsicht international koordiniert werde.

Das Risikomanagement des Privatsektors und der Behörden in den USA und anderen Industrieländern habe nicht dafür gesorgt, dass hereinströmendes Kapital umsichtig investiert werde. Dies sei "ein Versagen gewesen, das zu einer mächtigen Umkehr der Stimmung unter Investoren und zum Einfrieren der Kreditmärkte führte".

Große Finanzinstitutionen besser kontrollieren

Ein Kernpunkt sei, die Gefahr durch Zusammenbrüche großer Finanzinstitutionen (wie Citigroup und AIG) für das gesamte System mit Hilfe verstärkter Überwachung zu verringern, sagte er in einer Rede vor dem "Council on Foreign Relations" . "In der aktuellen Krise stellt diese 'Zu groß zum Scheitern-Sache' ein enormes Problem dar", führte Bernanke laut "New York Times" aus.

Vor allem Unternehmen, deren Kollaps eine Bedrohung für das Finanzsystem darstellen würden, sollen einer besonders genauen Aufsicht unterstellt werden. Zudem müssten die Regularien für die gesamte Finanzinfrastruktur so gestärkt werden, damit sie auch Krisensituationen überstehen.

Der Fed-Chef stellte im Kampf gegen die Krise im Bankensektor heute jedenfalls entschlossenes Handeln in Aussicht. Es müsse alles getan werden, damit die Finanzinstitute die Voraussetzungen für eine funktionierende Kapital- und Liquiditätsbasis hätten, betonte er.

Fallen umstrittene Neubewertungsregeln?

Börsianern zufolge gab es in diesem Zusammenhang Spekulationen, dass eine umstrittene Neubewertungsregel für US-Finanzinstitute vorübergehend ausgesetzt werden könnte. "Wenn die Bewertung von Handelspositionen nicht mehr zum tagesaktuellen Marktpreis erfolgen müsste, müssten die Banken nicht mehr so viel abschreiben und bekämen einen größeren finanziellen Spielraum", erläuterte ein Händler. "Das wäre natürlich erst einmal positiv zu sehen."

Allerdings machte Bernanke klar, dass er eine Aussetzung der Regel nicht unterstützen würde. Auch die Börsenaufsicht SEC hat Kreisen zufolge keine entsprechenden Pläne.

(Ag./phu)

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