Kampagne #stolzdrauf: 40.000 User

(c) Screenshot/ Webseite: #stolzdrauf

Auf Twitter wird sie abgelehnt, auf Facebook funktioniert die Kampagne von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz besser.

Wien. Sie war gerade erst präsentiert worden, da wehte ihr auf Twitter schon ein regelrechter Shitstorm entgegen: Kritik, Spott und Häme gab es für „#stolzdrauf“, die jüngste Kampagne von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP), bei der erfolgreiche Migranten vorgestellt werden, die Österreich als ihre Heimat begreifen. Parallel dazu sind User in sozialen Netzwerken aufgefordert, unter dem Hashtag „#stolzdrauf“ mitzuteilen, worauf oder auf wen sie in ihrer Heimat stolz sind.

Während in der ersten Woche auf Twitter rund 2200 vorwiegend negative Tweets gegen die Kampagne gezählt wurden – man störte sich an dem Wort Stolz ebenso wie an dem den neuen Bundeshymnentext verweigernden Volksmusiker Andreas Gabalier als Testimonial – , war die Resonanz auf dem sozialen Netzwerk Facebook wesentlich positiver: In der ersten Woche sind 40.000 User dem Aufruf gefolgt, über die Foto-App „#stolzdrauf“ Bilder online zu stellen, die zeigen, worauf – oder auf wen – sie in Österreich stolz sind. Insgesamt hat man laut Integrationsressort 1,5 Millionen Menschen via Facebook erreicht, da zahlreiche Prominente mit tausenden Fans – von Bundespräsident Fischer bis Gabalier – bei der Aktion mitgemacht haben. Am Wochenende hat etwa auch die Caritas gepostet, dass sie „unendlich dankbar, aber schon auch ein klein wenig ,#stolzdrauf‘“ sei, dass sich bei der Caritas 40.000 Menschen für Menschen in Not engagieren. Auch die türkische Kulturgemeinde und Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, haben unter dem Hashtag auf Facebook gepostet.

Womit sich zeigt, dass die Twitter-Community, die sich gern als meinungsmachende Elite wahrnimmt, weder Zielgruppe ist noch unbedingt den Nerv der breiteren Masse trifft. Ohne Twitter hätte die Kurz-Kampagne umgekehrt wohl nicht die breite Aufmerksamkeit der vergangenen Tage bekommen. Die Aktion wird noch eine Woche lang beworben. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2014)