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Das Warten auf den Protest der Muslime

Die Massendemos ob der Untaten von Islamisten lassen auf sich warten.

Als 2005 eine kleine dänische Zeitung namens „Jyllands-Posten“ Karikaturen druckte, die den Propheten Mohammed auf etwas einfältige Weise aufs Korn nahmen, war der Sturm gewaltig: Millionen Muslime gingen darauf weltweit, auch in Europa, auf die Straßen. Dänische Einrichtungen wurden zerstört, Häuser brannten, es gab viele Tote. Nun, da wurde eben ein Zeichen gesetzt.

Als vorigen Sommer die Wahnsinnigen vom Islamischen Staat (IS) ein Kalifat in Nordsyrien und im Irak ausriefen, in dem bekanntlich geköpft, gequält, vergewaltigt und sonst unterdrückt wird, gingen keine Millionen auf die Straße (auch keine Christen). Auch Köpfungsvideos lösen offensichtlich keine Proteste unter Muslimen aus, jedenfalls keine von nennenswerter öffentlicher Masse. Nun, da wurde noch kein Zeichen gesetzt.

Nun haben die Vereinigten Arabischen Emirate am Wochenende allerhand Terrorbanden auf ihre Terrorliste gesetzt. Darunter relativ neue wie Boko Haram in Nigeria, aber auch IS und die al-Qaida. Die al-Qaida, das ist übrigens jene Gruppe, die schon in den 1990ern mordete und 2001 das World Trade Center in New York mit Flugzeugen zum Einsturz brachte, spätestens seit da stand sie eigentlich auf jeder Terrorliste, auf UN-Ebene sogar schon einige Jahre zuvor.

Nun, da hat ein islamisches Land ein auffallend verspätetes Zeichen gesetzt.

wolfgang.greber@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2014)