Der Weltklasse-Skispringer nennt die Gründe seines Comebacks: Er will noch Olympia-Gold und den Skiflug-Weltrekord.
Die Presse: Herr Ahonen, Sie verkündeten beim Skispringen in Lahti überraschend nach einem Jahr Pause den Rücktritt vom Rücktritt. Warum können Sie nicht am Boden bleiben?
Janne Ahonen: Um es ehrlich zu sagen, es kam auch für mich überraschend. Aber es hat mich seit Längerem gejuckt, gereizt. Ich habe so viele Konkurrenzen gesehen, ich war ja als Experte für den TV-Sender MTV3 tätig. Und dann wollte ich einfach selbst noch einmal eine Saison anhängen, vor allem wegen Olympia 2010 in Vancouver.
Sind Sie überhaupt noch in Form? Vielleicht haben Sie das Skispringen mittlerweile verlernt?
Ahonen (lacht): Ich bin immer Skispringer gewesen, schon von klein auf. Ich war viele Jahre im Weltcup unterwegs, das vergisst du nicht so schnell. Vor allem die Siege (Anm.: 36), an die erinnerst du dich. Zuletzt hatte ich es ab und zu wieder probiert, und ja: Ich kann es noch. Und: Das verspreche ich. Ich komme topfit zurück.
Sie haben gesagt, dass Sie nur bei ausgewählten Weltcups, der Tournee, Olympia und der Skiflug-WM starten wollen. Warum?
Ahonen: Vancouver ist für mich die absolute Herausforderung. Seit Salt Lake City 2002 weiß ich, wie knapp man Gold (Anm.: Finnland fehlten im Teambewerb 0,1 Punkte auf Deutschland) verpassen kann. Olympia-Gold fehlt mir noch in meiner Sammlung.
Gold im Skifliegen haben Sie auch noch nicht gewonnen...
Ahonen: Deshalb ist auch die WM in Planica 2010 so wichtig für mich. Ich hatte 2005 mit 240 Metern den weitesten Sprung der Geschichte, konnte ihn aber nicht stehen und brach mir die Rippen. Ich will diesen Rekord! Wie oft ich schon Zweiter geworden bin, will ich eigentlich gar nicht wissen.
Ich habe im Archiv nachgeschaut, über 40-mal.
Ahonen: Pfff...
Würde es Sie stören, wenn Gregor Schlierenzauer Ihren Rekord mit zwölf Saisonsiegen bricht?
Ahonen: Mir ist es wirklich egal, was andere machen. Es ist schön für ihn, toll.
Wie hat Ihre Frau reagiert, als Sie Ihre Pläne offenbart haben?
Ahonen: Sie hat durchaus positiv reagiert. Sie kennt mich, unterstützt mich, wo immer sie kann.
Kommen Sie zurück, weil Finnland in dieser Saison nichts gewonnen hat und Trainer Janne Väätäinen Sie dringend für Olympia braucht?
Ahonen: So ist es auch wieder nicht! Die Mannschaft hat heuer gute Resultate erbracht. Und Harri Olli hat doch in Oberstdorf das Skifliegen gewonnen.
Nicht jedes Comeback großer Sportler war erfolgreich, viele haben sich sogar damit ihren Ruhm zerstört.
Ahonen: Angst vor dem Versagen kenne ich nicht. Ich hatte noch nie Angst, wenn ich gesprungen bin.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2009)