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Stolz sein auf die Heimat Österreich - das darf doch nicht wahr sein!

Stolz auf die Heimat gönnen die scheinbar politisch Korrekten keinem - und schon gar nicht jenen, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern hierherzogen.

Noch eine Woche wird die von Außenminister Sebastian Kurz initiierte Aktion „#stolzdrauf“ beworben. Am Montag berichtete „Die Presse“, dass diese Kampagne, „bei der erfolgreiche Migranten vorgestellt werden, die Österreich als ihre Heimat begreifen“, jedenfalls in dem sozialen Netzwerk Facebook eingeschlagen habe: 40.000 Nutzer dieses Mediums seien dem Aufruf gefolgt, eineinhalb Millionen wurden dadurch angesprochen; „es haben zahlreiche Prominente mit tausenden Fans – von Bundespräsident Fischer bis Gabalier“ daran teilgenommen.

In einem „Presse“-Beitrag sprach Norbert Mayer die Vielschichtigkeit des Wortes „stolz“ an, das bei manchen Kritikern für Skepsis sorgte. Es mag hilfreich sein, hierbei auf das französische Pendant zu verweisen, weil im Französischen der Begriff „Stolz“ klarsichtig durch zwei Wörter umschrieben wird. Da ist zum einen „orgueil“, jener Stolz, der mit Arroganz und Anmaßung gepaart ist, vom lateinischen „urgolius“ herrührend, das die alte „superbia“, die Überheblichkeit, ersetzte.

Doch dieser Stolz ist bei der Aktion von Minister Kurz wohl nicht gemeint, sondern vielmehr die „fierté“. Das französische „fier“ stammt vom lateinischen „fidere“, das „wagen“, „sich trauen“ aber auch „sich verlassen“ bedeutet. In dem Sinn, dass man stolz auf etwas sein kann, weil man sich dadurch gestärkt fühlt, weil man anhand dessen, worauf man stolz ist, sein Selbstbewusstsein untermauert.

Dies im Konnex mit Österreich – das könne doch nicht wahr sein, hört man die sich politisch korrekt Gebenden unken, die sich unter den „usual suspects“ wie Robert Misik im „Standard“ und Georg Hoffmann-Ostenhof im „Profil“ tummeln. „Besonders auf Twitter herrscht Spott und Häme“, frohlockt Hoffmann-Ostenhof gegen Sebastian Kurz und alle, die des Ministers Aufruf folgten. Misik wiederum beklagt, dass sich der Außenminister nicht die – in Wahrheit krude – Sichtweise der Liebe zum Land des Bert Brecht zu eigen gemacht habe, weshalb seine „Kampagne ein Rohrkrepierer wurde“. Unerhört, so tönt es von den hämischen Nörglern, dass sich einer in Tracht hinstelle und noch dazu behaupte, stolz darauf zu sein.

Wobei sie in ihrer emsigen Betulichkeit zum Beispiel den Stolz eines Miguel Herz-Kestranek auf das Tragen seiner Tracht völlig übersehen, der Hans Weigel treffend zitiert: „Tracht ist nicht Ausdruck und Relikt der Ära voll Blut, Boden und Rasse, sondern des Protestes gegen sie. Sie ist durchaus keine Uniform, sondern deren Gegenteil, ist Ausdruck des extremen Individualismus.“

Nein, Stolz auf die Heimat – was für ein, laut Hoffmann-Ostenhof, altes, dumpfes und verlogenes Wort! –, nein, diesen Stolz gönnen die scheinbar politisch Korrekten keinem, und schon gar nicht jenen, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern hierherzogen und die sich dessen bewusst sind, dass es in vielerlei Hinsicht besser ist, hier als anderswo zu leben. Nein, nicht Stolz, sondern „kollektive Scham“, das fordern die scheinbar politisch Korrekten zu allen sich bietenden Gelegenheiten vollmundig ein.

Dabei zeigen sie mit ihrem Befehl, kleinlaut im Erdboden zu versinken, mit pathetischer Geste nie auf sich, sondern immer nur auf die anderen. Denn sie selbst kommen aus der Ecke links von Che und Mao, dort wo alles per definitionem gut ist, weil es gut sein muss, wo man einander versichert, gegen politische Fehler, welcher Art auch immer, immun zu sein.

Da nimmt es sich wie die List des Hegel'schen Weltgeistes aus, dass am Ende seiner Philippika gegen den Außenminister der Miesepeter Hoffmann-Ostenhof als Kontrapunkt seinen Stolz bekundet, „dass die beiden Helden der österreichischen Jugend heute Conchita Wurst und David Alaba heißen“ – just jene Personen, die für ein Institut werben, das „der Krake des Finanzkapitalismus“ ergeben ist. Difficile est, satiram non scribere (Schwer ist es, keine Satire zu schreiben).

E-Mails an:debatte@diepresse.com

Zum Autor:

Rudolf Taschner ist Professor an der Technischen Universität Wien und hält dort die Vorlesung „Mathematik für Studierende der Elektro- und Informationstechnik“.

In diesem Jahr ist dazu sein dreibändiges Buch „Anwendungsorientierte Mathematik“ bei Hanser erschienen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2014)