Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ukraine beschert Raiffeisen Verlust

Die ukrainische Tochter Avalbank ist der große Verlustbringer bei Raiffeisen.(c) REUTERS (MAXIM SHEMETOV)
  • Drucken

Im dritten Quartal musste Raiffeisen International ein Minus hinnehmen. Rote Zahlen wird es auch im Gesamtjahr geben. Dies kann auch anderen Raiffeisen-Organisationen Verluste bringen.

Wien. Die große Überraschung war es eigentlich nicht mehr: Bereits Ende September hat die Raiffeisenbank International (RBI) im Rahmen einer Gewinnwarnung die Öffentlichkeit darüber informiert, dass dieses Jahr deutlich schlechter ausgehen wird, als es zur Halbjahresbilanz mit einem Plus von über 300 Mio. Euro noch den Anschein gehabt hat. Erstmals in der Geschichte des Unternehmens sei sogar ein Verlust möglich.

Dass dieser Verlust nun fix eintreten würde, sorgte nach der Präsentation der Neunmonatszahlen am Donnerstag allerdings doch für Aufregung unter den Anlegern; die RBI-Aktie lag zeitweise um bis zu fünf Prozent im Minus und schloss auch nach einer kleinen Erholung deutlich im roten Bereich. Grund für die negative Stimmung unter den Aktionären dürfte gewesen sein, dass sich die Aussichten neuerlich verschlechtert haben und immer noch viel Unsicherheit vorhanden ist.

 

700 Mio. Euro Abschreibungen

So konnte die RBI in den ersten neun Monaten in Summe zwar noch einen Gewinn von 225 Mio. Euro verzeichnen. Dies allerdings nur wegen der positiven Zahlen im ersten Halbjahr. Im dritten Quartal wurde bereits ein Minus von 119 Mio. Euro verbucht, und im vierten Quartal dürfte sich dieses Minus noch deutlich ausweiten. Verantwortlich dafür sind vor allem die Vorsorgen für notleidende Kredite (Non-performing Loans). In den ersten drei Quartalen hat die RBI bereits knapp 1,1 Mrd. Euro solcher Kredite in den Büchern abgeschrieben. Im Gesamtjahr werde jedoch ein Abschreibungsbedarf von voraussichtlich 1,8 Mrd. Euro notwendig sein, hieß es am Donnerstag. Das bedeutet, dass das Ergebnis des vierten Quartals mit einem negativen Effekt von gut 700 Mio. Euro belastet werden wird – genug, um die Bilanz im Gesamtjahr in den roten Bereich zu reißen.

Allerdings könnte es auch noch schlimmer kommen, so die RBI in ihrem Quartalsbericht. Entscheidend dafür sei die politische und wirtschaftliche Situation in Russland und der Ukraine. Schon in den ersten drei Quartalen war es vor allem Letztere, die für die massive Ausweitung der Kreditvorsorgen verantwortlich war. Per Ende September galten bereits fast 40 Prozent der 2,9 Mrd. Euro vergebenen Kredite in der Ukraine als Non-performing Loans. 80 Prozent davon sind bereits abgeschrieben.

Die Aktivitäten in Russland sind zwar nach wie vor profitabel. Aufgrund der wirtschaftlichen Abschwächung im Land und der Sanktionen ist das Nettoergebnis in den ersten drei Quartalen gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch von 382 auf 289 Mio. Euro zurückgegangen.
Die RBI reagiert auf die verschlechterte Situation mit einem massiven Kostensenkungsprogramm. Dadurch wurde etwa der Personalaufwand heuer bis Herbst um sechs Prozent gesenkt. Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter sank um rund 2200 auf etwa 57.100. Die Rückgänge betrafen dabei die Ukraine, Ungarn, Tschechien und Bulgarien.

 

Verluste auch bei RLB NÖ-W?

Negative Auswirkungen hat das Ergebnis der RBI aber auch bei ihren Eigentümern in der Raiffeisen-Organisation: „Ich kann einen Verlust im Konzernergebnis daher heuer nicht ausschließen“, sagte etwa Klaus Buchleitner, Chef der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, im „Klub der Wirtschaftspublizisten. Das Ergebnis seiner Landesbank werde sich gegenüber dem Niveau des Vorjahres ebenfalls um „15 bis 20 Prozent“ abschwächen, aber deutlich positiv bleiben. In Summe könnte das Vorjahresergebnis des Konzerns in Höhe von knapp 180 Millionen Euro durch die Verluste der RBI jedoch ins Minus gedreht werden. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2014)