Autoindustrie: Kfz-Verkauf minus 22 Prozent: Hoffen auf Schrottprämie

(c) AP (Luca Van Brantegem)
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Schlechte Nachrichten aus Brüssel: Die EU erwartet ein Massensterben in der Autoindustrie. Am 1. April kommt die Verschrottungsprämie.

Wien (ag.). Österreichische Autohändler dürften die Tage bis zum 1. April zählen wie Kinder die Stunden bis Weihnachten: Ab diesem Tag gibt es 1500 Euro Verschrottungsprämie für alte Autos. In Deutschland sorgte die Prämie für einen Kaufboom: 420.000 Pkw setzen die Händler bisher ab (dort gibt es 2500 Euro).

Wie stark der Autohandel hierzulande unter Druck ist, zeigt die Zulassungsstatistik vom Februar: Nur 23.057 Fahrzeuge wurden neu angemeldet. Dies entspricht einem Minus von 22,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Eine Erklärung für den Einbruch ist freilich gerade der mittlerweile „Ökoprämie“ genannte Zuschuss: Viele Menschen warten mit Autokäufen bis April.

Bei den Neuzulassungen führt VW mit 14,6 Prozent, gefolgt von Ford mit 6,9 Prozent (minus 4,4 Prozent) und Audi (fünf Prozent).

25 Prozent Überkapazitäten

Doch selbst mit Prämien und staatlichen Zuschüssen wird es in der Autoindustrie zu einem Massensterben kommen, glaubt zumindest Heinz Zourek, Generaldirektor für Unternehmen bei der EU-Kommission. „Wir kommen an Betriebsstilllegungen nicht herum“, sagte Zourek bei einem Vortrag in Wien. In der Autoindustrie gebe es weltweit Überkapazitäten von 50 Prozent, in Europa von 25 Prozent.

Der Autoabsatz sei in wenigen Monaten um 40 Prozent eingebrochen, auch nach der Krise werde er nicht mehr das frühere Niveau erreichen. Der sicherste Weg, Geld zu verbrennen, sei der Versuch, die Kapazitäten in der Autoindustrie aufrechtzuerhalten.

Einer dieser Versuche betrifft die GM-Tochter Opel. Morgen, Freitag, berät man in Brüssel über eine Trennung von General Motors, eine Insolvenz Opels würde allein den deutschen Staat 6,5 Milliarden Euro kosten (u.a. wegen Arbeitslosengeld).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2009)

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