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EZB-Chef Draghi will Deflationsgespenst verjagen

imago/Hannelore Förster
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Die Europäische Zentralbank sei bereit, noch stärker als bisher Geld in die Wirtschaft zu pumpen, um die Inflation anzufeuern, sagte der Draghi vor Bankern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt dem Einsatz noch massiverer Geschütze gegen die drohende Deflation immer näher. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, er werde die schwache Teuerung wenn nötig mit allen Mitteln anheizen, um die Konjunktur in der Eurozone zu beleben.  "Wir werden tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt", sagte der Italiener am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt.

Dafür sei die Europäische Zentralbank (EZB) unter seiner Führung bereit, bei Bedarf noch stärker als bisher an den Finanzmärkten zu intervenieren und über Wertpapierkäufe mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. "Und das ohne unnötige Verzögerung", sagte Draghi und schickte den Euro am Devisenmarkt damit auf Talfahrt. "Sollte sich unsere gegenwärtige Geldpolitik als nicht effektiv genug erweisen, um das zu erreichen, oder wenn die zusätzlichen Risiken für die Teuerung eintreten, würden wir den Druck erhöhen und die Kanäle, über die wir intervenieren, verbreitern", so der EZB-Chef weiter.

Spekulationen um Staatsanleihenkäufe

Die Inflation in der Eurozone liegt derzeit bei durchschnittlich 0,4 Prozent, die Zielmarke der EZB liegt bei knapp zwei Prozent. Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal Anfang Dezember über den geldpolitischen Kurs der Zentralbank. Viele Fachleute rechnen in diesem Jahr aber nicht mehr mit dem Einsatz weiterer Maßnahmen, weil zahlreiche der jüngsten EZB-Beschlüsse noch nicht vollständig umgesetzt sind.

Dennoch halten sich die Spekulationen auf breit angelegte Staatsanleihenkäufe der EZB, die damit anderen Notenbanken nacheifern würde. Draghi selbst hatte zuletzt wiederholt diese Möglichkeit - im Fachjargon der Währungshüter Quantitative Easing (QE) genannt - angedeutet.

Die EZB hat zuletzt mit dem massenhaften Aufkauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen begonnen und pumpt in den nächsten zwei Jahren viele Milliarden in das Finanzsystem. Sie will zudem ihre Bilanz aufblähen - um rund 1 Billion Euro. Um dies zu erreichen, könnten die Notenbanker demnächst auch Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aufkaufen. Letzteres ist in Deutschland heftig umstritten.

(APA/Reuters)