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EZB: Draghi will die Geldschleusen öffnen

ECB President Mario Draghi Rates Conference
Mario Draghi(c) Bloomberg (Martin Leissl)
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Die niedrige Teuerung ist der Europäischen Zentralbank ein Dorn im Auge. Die Inflation in der Eurozone liegt derzeit bei 0,4 Prozent.

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte künftig schwere Geschütze auffahren. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, er werde die schwache Teuerung wenn nötig mit allen Mitteln anheizen, um die Konjunktur in der Eurozone zu beleben.

„Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“ Dafür sei die EZB unter seiner Führung bereit, bei Bedarf noch stärker an den Finanzmärkten zu intervenieren und über Wertpapierkäufe – auch den umstrittenen Kauf von Staatspapieren – mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, „ohne unnötige Verzögerung“.

Die Inflation in der Eurozone liegt bei 0,4 Prozent, die Zielmarke der Notenbank aber bei zwei Prozent. Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal Anfang Dezember über den geldpolitischen Kurs der Zentralbank. Viele Fachleute rechnen in diesem Jahr aber nicht mehr mit dem Einsatz weiterer Maßnahmen, weil zahlreiche der jüngsten EZB-Beschlüsse noch nicht vollständig umgesetzt worden sind.

 

Euro fällt nach Aussagen

Dennoch halten sich Spekulationen hartnäckig, dass breit angelegte Staatsanleihenkäufe folgen könnten. Draghi selbst hatte wiederholt die Möglichkeit des Quantitative Easing angedeutet. Mit seinen klaren Worten schickte Draghi den Euro auf Talfahrt. Der Wert der Gemeinschaftswährung fiel binnen weniger Minuten um rund ein Prozent auf 1,2450 Dollar.

Die EZB hat zuletzt mit dem Aufkauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen begonnen, will in den nächsten zwei Jahren viele Milliarden in das Finanzsystem pumpen. Doch Kritiker monieren, dass dieser Markt viel zu klein sein, um tatsächlich etwas bewegen zu können.

Die Zentralbank will ihre Bilanz auf das Niveau von 2012 hieven. Draghi machte in seiner Rede klar, dass er sich keine Fesseln anlegen lasse: „Sollte sich unsere gegenwärtige Geldpolitik als nicht effektiv genug erweisen, um das zu erreichen, würden wir den Druck erhöhen und die Kanäle, über die wir intervenieren, verbreitern.“ (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2014)