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Goldman Sachs: "Euro fällt in zwölf Monaten auf 1,15 Dollar"

File photo of the Goldman Sachs stall on the floor of the New York Stock Exchange
Goldman Sachs(c) REUTERS (BRENDAN MCDERMID)

Goldman Sachs erwartet einen starken Verfall der Europawährung und empfiehlt Währungsspekulationen.

EZB-Chef Mario Draghi befeuert derzeit nicht nur die Börsen, auch im Devisengeschäft rührt er mit seinen Bemerkungen über die Notwendigkeit, mehr Inflation zu erzeugen, recht kräftig um. Am Freitag beispielsweise schickte er den Euro gegenüber dem Dollar um fast ein Prozent nach unten. Das ist durchaus gewollt, denn die konjunkturgeplagte Eurozone braucht vieles, aber sicher keine starke Währung.

Die Eckdaten sprechen eindeutig für einen weiteren Dollaraufschwung: Die US-Wirtschaft wird im kommenden Jahr um drei Prozent wachsen, die Eurozone nur um 1,2 Prozent. Und: Die US-Notenbank Fed hat das „Gelddrucken“ stark eingeschränkt, die EZB fängt gerade erst so richtig damit an. Der starke Druck, den die EZB auf ihre eigene Währung ausübt und die auseinanderlaufende konjunkturelle Entwicklung zwischen Europa und den USA machen den Euro/Dollar-Kurs mittelfristig ziemlich berechenbar – und damit attraktiv für Währungsspekulation. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihren Kunden nun konkret empfohlen, in Währungswetten auf den Eurokurs einzusteigen, und nennt die Dollar/Euro-Relation ihren „Top Trade für 2015“.

Die Amerikaner empfehlen nach Angaben der US-Finanzagentur Bloomberg einen sogenannten Put-Spread auf den Euro/Dollar-Kurs. Das ist ein etwas komplizierteres Konstrukt, das den Kauf einer Put-Option auf den Euro bei gleichzeitigem Verkauf einer Put-Option auf die Europa-Währung vorsieht. Gekauft werden sollte ein einjähriger Euro-Put mit einem Ausübungspreis von 1,20 Dollar, verkauft werden sollte ein Euro-Put zum Ausübungspreis von 1,15 Dollar. Wenn der Euro, wie Goldman Sachs erwartet, innerhalb eines Jahres tatsächlich auf 1,15 Dollar fällt, dann wird das ein recht profitabler Trade.

Allerdings: Solche mehrstufigen Währungswetten, wie sie Goldman Sachs im Bloomberg-Artikel empfiehlt, sollte wirklich nur eingehen, wer im Derivatgeschäft sattelfest ist. „Normalanleger“ können sich dabei nur die Finger verbrennen.

Die Kursprognose ist allerdings genauso für Normalos höchst interessant. Denn natürlich hat der Wechselkurs auch gravierende Auswirkungen auf die Europreise aller in Dollar gehandelten Produkte, von Gold über Erdöl bis hin zu US-Aktien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2014)