Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ifo-Index: Ein Hauch von Hoffnung

(c) REUTERS (WOLFGANG RATTAY)
  • Drucken

Nach Monaten der schlechten Nachrichten zeigt nun das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft leicht nach oben. Grund zum Jubeln gibt es aber noch keinen.

München/Wien. Der aktuelle Ifo-Index ist für Wirtschaftstreibende, was ein Strohhalm für einen Ertrinkenden ist: eine kleine Chance, nach der man verzweifelt greift. Also jubelte Deutschland, als am Montag der Geschäftsklima-Index des Münchner Ifo-Instituts überraschend zum ersten Mal seit einem halben Jahr nach oben kletterte. Und das trotz Russland-Krise und Bahnstreiks.

Nun macht eine Schwalbe noch keinen Frühling und ein positives Wirtschaftssignal noch keinen Aufschwung. Aber: „Der Abschwung ist zumindest unterbrochen“, meinte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Montag. Die etwa 7000 befragten Firmenchefs beurteilten nicht nur die aktuelle Lage optimistischer, sondern auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate. In Zahlen ausgedrückt legte der Index um 1,5 auf 104,7 Punkte zu.

Ein Grund für die wachsende Zuversicht ist die Abwertung des Euro: Er verlor seit Jahresbeginn rund zehn Prozent, was deutsche Ausfuhren nach Übersee verbilligt. „Vom Exportgeschäft werden weitere Impulse erwartet“, sagte Sinn. Der Außenhandel hatte sich zuletzt trotz der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und der Konjunkturabkühlung in vielen Schwellenländern positiv entwickelt.

Experten erwarten, dass der Euro wegen der anhaltend lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter nachgibt. „Das erfreut die großen und zumeist exportorientierten Unternehmen“, sagte Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle. Denn sie können dann entweder im Exportgeschäft größere Margen verdienen oder ihre Absatzmenge steigern.

Wie ein Konjunkturprogramm wirkt auch der sinkende Ölpreis, der seit Jahresanfang um 30 Prozent gefallen ist. Verharrt er auf diesem Niveau, entlastet das Unternehmen und Verbraucher im kommenden Jahr nach Berechnungen der Großbank UniCredit um 35 Mrd. Euro. Die Stimmung hellte sich deshalb nicht nur in der Industrie auf, sondern auch im Handel, der auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hofft.

 

Börse zieht deutlich an

Trotz dieser günstigen Perspektiven warnt das Ifo-Institut aber vor zu großem Konjunkturoptimismus. „Es ist zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Man soll abwarten, ob sich diese Entwicklung im Dezember fortsetzt. Auch der österreichische Wirtschaftsexperte Marcus Scheiblecker vom Wifo sieht noch keinen Grund für Jubel. „Der Index ändert noch nichts an der Tendenz, die schlecht ist.“ Aus dem jetzt veröffentlichten Index könne man keinen Aufschwung herauslesen. Erst wenn der Index dreimal in Folge nach oben zeigt, könne man auf einen Aufschwung hoffen.

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner meinte, dass sich das Wachstum bis zum Ende des Jahres um die Nulllinie bewegen werde. „Die Unternehmen haben sich damit abgefunden: Das Winterhalbjahr bringt kaum Wachstum“, sagte Zeuner. „Aber sie hoffen auf den Frühling.“

An den Börsen wurde der Ifo-Anstieg positiv aufgenommen. Der DAX kletterte zeitweise auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Die schlappe Konjunktur hatte die Anleger zuletzt betrübt.
In Österreich erwarten Wifo und IHS für das Gesamtjahr 2014 ein reales Plus von 0,8 Prozent. Für das kommende Jahr rechnen die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute mit einem Plus von 1,2 (Wifo) bzw. 1,6 Prozent (IHS). (red./ag.)

Auf einen Blick

Der Ifo-Index zeigt zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder leicht nach oben. Das Ifo befragt für die Erstellung des Index 7000 Firmenchefs. In der aktuellen Umfrage beurteilten sie nicht nur die Lage optimistischer, sondern auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate. Grund zum Jubeln gebe es aber noch keinen, meinen Experten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2014)