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Geldpolitik: Zweifel an Draghis Krisenrezept

21 11 2014 Frankfurt DEU Mario Draghi Pr�sident der Europ�ischen Zentralbank spricht auf dem Fr
Mario Draghi(c) imago/Hannelore F�rster (imago stock&people)
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Die Europäische Zentralbank scheint entschlossen, im Rahmen der geplanten geldpolitischen Lockerung auch Anleihekäufe zu tätigen. Das stößt aber zunehmend auf Skepsis.

Frankfurt/Bloomberg. In seinen letzten Tagen als Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve hatte Ben S. Bernanke gewitzelt, dass eine quantitative Lockerung (QE) „in der Praxis funktioniert, aber nicht in der Theorie“. Bei der EZB könnte deren Präsident Mario Draghi nun herausfinden, dass große Käufe von Staatsanleihen im Euroraum nicht einmal in der Praxis funktionieren.

Hindernisse für Bondkäufe sieht vor allem die deutsche Seite. Selbst wenn diese nicht berücksichtigt werden, könnte sich bald zeigen, dass diese geldpolitische Strategie über die Abschwächung der Gemeinschaftswährung hinaus wenig bewirken würde, um der Währungsunion neue Dynamik zu geben. Dieses Argument kommt wohl bald auf Draghi zu. Dieser hat ja betont, die EZB werde nicht zögern, die Teuerung anzuheizen, um das Wachstum anzukurbeln.

 

Deutsche sind skeptisch

Draghis Kommentare drückten auf den Euro, nachdem Investoren spekulierten, dass die EZB näher an ein Quantitative Easing rückt. Sollte Draghi zu dem Schluss kommen, dass Käufe von Staatsanleihen notwendig sind, wird er wohl Probleme bekommen, die einmütige Unterstützung des Rats zu gewinnen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist der Ansicht, dass ein auf Staatsanleihen basierendes QE die Trennlinie zwischen Fiskal-und Geldpolitik verwische.

„Was wir nicht wissen, ist, ob QE neben den bereits angekündigten geldpolitischen Maßnahmen einen ausreichenden Zusatznutzen bringen wird, als Ausgleich für die politischen, rechtlichen und operativen Komplikationen, die es zweifellos schaffen wird“, sagt Marchel Alexandrovich, Ökonom bei Jefferies International in London.

Schließlich seien viele der Effekte, die QE anderswo zugeschrieben werden – niedrigere Bondrenditen, eine schwächere Währung und steigende Aktienkurse – im Euroraum bereits eingetreten. Die rigiden nationalen Volkswirtschaften könnten auch die Wirksamkeit des Programms reduzieren.

Draghi hat es abgelehnt, Käufe von Staatsanleihen auszuschließen. Er sagte, dass Mitarbeiter beauftragt wurden, Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur zu studieren. Im vergangenen Quartal wuchs die Wirtschaft im Euroraum nur um 0,2 Prozent, und die Inflation liegt mit 0,4 Prozent deutlich unter dem Ziel der EZB.

„Der Rat vertritt einstimmig die Absicht, innerhalb seines Mandats zusätzliche unkonventionelle Instrumente einzusetzen, wenn dies nötig ist“, sagte der EZB-Präsident gegenüber dem Europa-Parlament in Brüssel in dieser Woche. Unkonventionelle Maßnahmen könnten eine Vielzahl von Vermögenswerten umfassen, darunter eben auch Staatsanleihen.

 

Renditen bereits weit unten

Es könnte aber auch sein, dass er zu lange gewartet hat. Die Renditen zehnjähriger US-amerikanischer und britischer Anleihen lagen nahe vier Prozent, als die Bondkäufe in jenen Ländern begannen. Die Rendite deutscher Bundesanleihen gleicher Laufzeit beläuft sich nun auf weniger als 0,8 Prozent, und die Renditen von Bonds aus den Euroraum-Randstaaten sind seit 2012 gesunken. Mit einer Rendite von 2,1 Prozent im Zehn-Jahres-Bereich kann Spanien billiger Kapital aufnehmen als die USA.

Die „wesentliche Auswirkung von QE“ würde über das wahrscheinliche, jedoch nicht genannte Ziel einer Schwächung des Euro kommen, sagt Reinhard Cluse, Chef-Europa-Ökonom bei UBS. Das sollte theoretisch die Exporte und die importierte Inflation anschieben. Jedoch hat der Euro seit Mai bereits zehn Prozent zum Dollar verloren. Selbst wenn sie weiter sinkt, dürfte der Effekt auf die Inflation begrenzt sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2014)