Minister ist vor Autogipfel skeptisch

Mitterlehner sieht großen „Restrukturierungsbedarf“ in der Industrie.

Wien (rie/ag.). Vor dem „Autogipfel“ am kommenden Montag, bei dem Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Finanzminister Josef Pröll mit Vertretern der Autoindustrie über die Sicherung der Liquidität diskutieren, gibt sich der Wirtschaftsminister skeptisch: In der Autoindustrie gebe es einen „Restrukturierungsbedarf von 20, 30 Prozent“. Das bedeute zwar nicht den Verlust von Arbeitsplätzen im gleichen Ausmaß. Die Industrie müsse sich aber auf neue Produkte und Bereiche umstellen.

Im Laufe des Jahres werde man die Entwicklung abschätzen können, meinte der Minister vor Journalisten. „Wenn nicht bis Ende 2009 ein Aufwärtstrend absehbar ist, ist klar, dass man mit Kurzarbeit nicht das Auslangen wird finden können.“ Die Autoindustrie sei jedenfalls von der Geschwindigkeit und der Schwere der Krise überrascht worden.

Eine konkrete Zusage für den Autogipfel machte der Minister in Bezug auf Forschungszuschüsse: Man wolle Staatsgelder bereitstellen, um die Entwicklung von leichteren Batterien für Elektro- und Hybridautos zu beschleunigen.

Aus der Autobranche kamen indes weitere schlechte Nachrichten: BMW musste 2008 ein Gewinnminus von 90 Prozent verbuchen. Preiseinbrüche bei zurückgegebenen Leasingautos, Kreditausfälle und ein teurer Stellenabbau sorgten für Belastungen von 2,4 Mrd. Euro. Unterm Strich verdienten die Münchner somit nur noch 330 Mio. Euro – nach 3,1 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Umsatz ging um fünf Prozent auf 53,2 Mrd. Euro zurück.

Ein vollkommen anderes Bild zeigte sich bei Europas größtem Autohersteller VW. Das Wolfsburger Unternehmen konnte erneut ein Rekordergebnis verbuchen. Der Umsatz legte um 4,5 Prozent auf 113,8 Milliarden Euro zu, der Gewinn stieg um 13,7 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro. Fast die Hälfte davon kommt von Luxustochter und BMW-Konkurrent Audi. Er profitiert von seiner geringen Abhängigkeit vom US-Markt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2009)

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