Nachhaltigkeit: Ökoglamour

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Avantgarde, nicht Alternative: Designer und Möbelhersteller verpflichten sich zusehends der Nachhaltigkeit und natürlicher Ressourcen. Und sind dabei von Bio-Mio meilenweit entfernt.

Wurde aber auch Zeit, dass die Ökowelle nach den Lebensmitteln, der Kosmetik und der Mode das Naheliegendste erfasst: die eigenen vier Wände. Schließlich ist eine Augenweide, was mittlerweile für den umweltbewussten Haushalt auf dem Markt ist: schlicht-raffinierte Tische aus Bambus, originelle Boards aus recycelten Ölfässern, clevere Freischwinger aus Schichtholz, Leuchten aus Kabelbindern, grüne Betten aus dem Wald des Vertrauens, Architektensofas mit Filz von heimischen Schafen oder mit Mohair, schräge Stühle aus innovativen, aber umweltverträglichen Werkstoffen. Komplett unter neuen ästhetischen Prämissen.
Einem Stuhl wie dem „Myto“ von Stardesigner Konstantin Grcic etwa sieht man das Ökoeffizienzsiegel nicht an, das sein neuer Spritzgusskunststoff „Ultradur High Speed“ trägt. Der Myto wurde übrigens mit dem Innovation Award bei der „imm Cologne 09“ ausgezeichnet. Wie mittlerweile viele Lieblingsstücke der „Lohas“, der ­Anhänger des Lifestyle of health and sustainabilty, bei Designmessen Meriten ernten.

Chic statt brav. An der plumpen Rettet-die-Welt-Optik der Altökos will die neue Bioschickness nicht einmal anstreifen. Trendige Gutmöbel bestehen zwar oft aus erneuerbaren Ressourcen, sie wurden jedenfalls ­ohne problematische Stoffe, mit natürlichen oder gleich gar nicht behandelten Materialien, unter fairen Arbeitsbedingungen gefertigt, nicht um die halbe Welt, sondern quasi nur um die Ecke transportiert und auch nicht in ­Verpackungsorgien verhüllt. Doch darum geht es der neuen Zielgruppe der Ökohedonisten nicht primär. Sondern sie sehen gut aus, diese Teile, weil sich ernst zu nehmende Designer und Möbelproduzenten auf dieses ­
grüne Experimentierfeld vorgewagt haben.

Immer mehr Hersteller wie etwa Artek, Rolf Benz oder Team 7 haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Solche Möbel sind zum Beispiel „aus Naturholz gearbeitet, das aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt“, sind frei von FCKW oder verbinden „Ethik, Ästhetik und Ökologie“. Ikea beruft sich auf einen „sorgsamen Umgang mit den Ressourcen“ und schickt neben seiner „PS Kollektion“ mit Bambusblättern und Seegras wieder verstärkt Vollholzmöbel ins Rennen. Länger im Trend-Off, bricht sich Bruder Baum wieder seine Bahn.

Ökologisches Wohnen ist keine humorfreie Zone, wer ­etwa auf Portale wie www.branchhome.com klickt, wird Teppichen aus Gürteln, Stühlen aus recycelten Plastikbändern oder Chaiselongues aus Kork begegnen. Wer sich bei bekannten Designern umschaut, wird eine neue Lust am Wiederverwerten erkennen. Oder auf originelle Entwürfe wie von Studio Oooms – Solarvogelhäuschen – und Nils Holger Moormann – Buchregalsessel – stoßen. Moormann lässt prinzipiell in der Region umsetzen. So wie die Handwerker, die sich im Bregenzerwald zum „Werkraum“ zusammengeschlossen haben und überlegenes Design mit alter Handwerkstradition  verbinden.


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