Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wiener SPÖ: Häupls Nachwuchsproblem

Christoph Peschek
Christoph Peschek(C) Splechtna
  • Drucken

Jugendsprecher Christoph Peschek galt als „Wunderwaffe“ gegen die FPÖ. Nun wechselt er zu Rapid. Ein adäquater Nachfolger fehlt.

Wien. Der Wiener SPÖ kommt eine der wenigen Zukunftshoffnungen abhanden. Christoph Peschek, Gemeinderat, Lehrlings- und Jugendsprecher der Bürgermeisterpartei, wechselt den Job. Der 31-Jährige soll am heutigen Donnerstag zum Manager des Fußballvereins SK Rapid gekürt werden.

Offiziell bestätigt wird dieser Wechsel vor der Rapid-Hauptversammlung nicht. Fest steht aber, dass Peschek sämtliche politische Ämter zurücklegen wird. Und damit ein Lücke in der Wiener SPÖ aufreißt. Immerhin hatte Bürgermeister Michael Häupl Peschek als „große Zukunftshoffnung“ bezeichnet. Parteiintern wurde er als Wunderwaffe gegen Heinz-Christian Strache gehandelt. Der Gewerkschafter sei als Einziger der jungen roten Garde ein Arbeiterkind mit Lehrabschluss. Und stolz darauf, ist zu hören. Er sei authentisch, spreche die Sprache der Lehrlinge – mit ihm könne die SPÖ die Lehrlinge, die großteils FPÖ wählen, wieder zurückholen, hieß es.

Kein Wunder, dass der Donaustädter, der gern in Discos der FPÖ das Terrain streitig machte, Karriere machte: Häupl stellte ihn vor der Wien-Wahl 2010 persönlich als SPÖ-Jugendkandidaten auf. In der Partei ist kein böses Wort über ihn zu hören – im Gegenteil. „Das ist leider keine gute Nachricht: Christoph Peschek legt alle Ämter zurück!“, twitterte der Ex-Vorsitzende der SPÖ-Parteijugend (SJ) Wolfgang Moitzi. Und in der Wiener Partei heißt es: „Er ist ein blendender Redner, ein guter Mann – er hätte Stadtrat werden können.“ Das parteiinterne Gerücht, dass Peschek gewechselt ist, weil ihm in seinem Bezirk, Donaustadt, keine Zukunft garantiert sei, verärgert manche Genossen. Andere bezweifeln den Wahrheitsgehalt des Gerüchts. Faktum ist: Mit 31 Jahren wäre Peschek nicht mehr als Jugendkandidat durchgegangen – er hätte dem Vernehmen nach aber ein fixes Ticket gehabt.

Wer nun Pescheks Rolle als SPÖ-Berufsjugendlicher übernimmt, ist noch offen. Einerseits hat die Wiener SPÖ keinen Ersatz. Es gibt keinen jungen Roten, der Lehrlinge authentisch ansprechen kann (die roten Zukunftshoffnungen sind ausschließlich Studenten bzw. Akademiker). Trotzdem werden zwei Namen genannt, die Peschek zumindest im Gemeinderat nachfolgen könnten. Einerseits Marcus Gremel (31), Vorsitzender der Jungen Generation. Er hat bei der Nationalratswahl 2013 als Jugendkandidat nur knapp ein Mandat verpasst. Seiner Forderung nach einer Leerstandsabgabe für nicht vermietete Wohnungen schloss sich sogar Bürgermeister Michael Häupl an. Gremel besetzt also das (für die SPÖ bzw. junge Menschen besonders wichtige) Thema Wohnen.

 

Lücke bei Lehrlingen

Der zweite Kandidat für Pescheks Nachfolge im Gemeinderat ist Bildungssekretär Marcus Schober (34). Er arbeitet in der Löwelstraße federführend am SPÖ-Parteiprogramm, besetzt das SPÖ-Kernthema Bildung. Einer der beiden könnte als Peschek-Nachfolger nun in den Gemeinderat einziehen. Nur: Das löst nicht das SPÖ-Problem bei den Lehrlingen: „Wir haben dafür niemanden“, heißt es parteiintern. Ein logischer Kandidat wäre natürlich der SPÖ-Jugendkoordinator. Der heißt aber Bernhard Häupl, ist Sohn des Bürgermeisters und wird (noch) keinen Karrieresprung machen – es wäre eine schiefe Optik. Thematisch dürfte sich der junge Häupl bei den Lehrlingen zumindest auskennen. In der Partei ist zu hören: „Wo Peschek aufgetaucht ist, war Bernhard Häupl im Schlepptau.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2014)