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Mario Draghis fröhliche Gelddruckerei

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Mario DraghiAPA/EPA/BORIS ROESSLER
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Wie Mario Draghis fröhliche Gelddruckerei die Börsen und der drastische Ölpreisverfall die Airline-Aktien befeuert.

Nicht nur die amerikanischen Börsen sind auf Rekordjagd. Auch der deutsche Leitindex DAX hat zuletzt Großes geleistet: Mehr als 1000 Punkte in nur drei Wochen aufgeholt, elf Tage hintereinander mit Kurssteigerungen. Das ist schon beeindruckend. Kein Wunder, dass die deutsche Börse zum Wochenende hin eine Verschnaufpause eingelegt hat.

Die Performance ist umso bemerkenswerter, als die deutsche Konjunktur ja alles andere als galoppiert. Im Gegenteil: Im Wochentakt werden die Prognosen nach unten geprügelt. Es sieht zwar noch nicht ganz so düster aus wie in Österreich, wo die Rezession de facto begonnen hat. Aber Aufschwung sieht auch anders aus.

Zum Glück für Aktionäre (zumindest für die kurzfristiger orientierten unter ihnen) sind Konjunkturdaten derzeit nicht das, was so wirklich im Fokus der Börsen steht. Dafür sorgt schon Mario Draghis fröhliche Gelddruckerei in Frankfurt. Bisher war diese ja noch eher zurückhaltend, wie sich am Vergleich der Notenbankbilanzen ablesen lässt: Die EZB hat ihre Bilanz in den vergangenen Jahren wesentlich weniger aufgeblasen als etwa die Kollegen in den USA, Japan oder gar in der Schweiz, wo die Notwendigkeit der Frankenstützung die Nationalbankbilanz hat regelrecht explodieren lassen.

Das wird sich aber jetzt wohl ändern, denn die Eurozone marschiert trotz aller Versuche der EZB, die Teuerung in Richtung der in ihren Statuten als Zielwert verankerten zwei Prozent zu bringen, ziemlich stramm in Richtung Deflation. Im November war die Euro-Inflationsrate gerade noch bei 0,3 Prozent. Im Jänner wird sie voraussichtlich auf null sinken – und dann ist Feuer am Dach.

Unschwer zu erraten, was dann passiert: Draghi fährt liquiditätstechnisch die Dicke Berta auf und feuert aus allen Rohren. Die zusätzliche Liquidität findet aber, wie gehabt, mangels Kreditnachfrage (und wegen der deutlich angehobenen Kreditvergaberestriktionen in den Banken) den Weg nicht in die Realwirtschaft, sondern lässt die Börsenparty weitergehen.

Keine schlechten Aussichten, auch wenn kurzfristig einmal eine Verschnaufpause einzuplanen ist. Der DAX etwa sieht jetzt nicht nur reichlich überhitzt aus, die Zehntausend-Punkte-Schwelle liegt auch wie ein bleierner Deckel auf dem Index. Zweimal ist der Leitindex daran schon abgeprallt, ob der dritte Versuch so schnell klappt, ist noch nicht ausgemacht. Zeit also, um ein bisschen zu überlegen und vorübergehende Schwächen zu Einstiegen zu nutzen.

Kurzfristig bietet die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten Gelegenheit dazu: Der Ölpreissturz hat (siehe unten stehende Geschichte) Airline-Aktien auf einmal wieder attraktiv gemacht. Nicht nur in den USA. Auch das in den vergangenen Monaten furchtbar abgestürzte Papier der deutschen Lufthansa (ISIN DE0008232125) hat zuletzt einen richtigen Freudensprung hingelegt. Die UBS hat deshalb eine Kaufempfehlung abgesetzt. Allerdings: Nach dem fast fünfprozentigen Kurssprung vom vergangenen Freitag ist die Aktie nur noch rund einen Euro vom UBS-Kursziel von 15,25 Euro entfernt.

Ein bisschen mehr sollte zwar noch drin sein, noch attraktiver schauen derzeit aber die Papiere von US-Airlines aus. Unglaublich stark ist da derzeit der Billigflieger JetBlue Airways (ISIN US4771431016) unterwegs. Aber auch Southwest (ISIN US8447411088), American Airlines (US4771431016), Delta (ISIN US2473617023) und United Continental (ISIN US9100471096) sind kaum zu bremsen.

Um noch in der Neuen Welt zu bleiben: Sehr großes Potenzial entwickelt zurzeit der kanadische Chipproduzent Sierra Wireless (ISIN CA8265161064), dem Analysten mittelfristig Kurssteigerungen von gut 50Prozent zutrauen. Die Aktie konsolidiert nach einem Kurssprung gerade, was durchaus als gute Einstiegsmöglichkeit gesehen werden kann.

Günstig scheint (trotz eines starken Anstiegs in den vergangenen Wochen) derzeit auch die Einstiegsgelegenheit bei dem amerikanischen Suchmaschinenbetreiber Yahoo (ISIN US984332 1061) zu sein. Dieser erholt sich derzeit auch gerade von seinem kräftigen Kurssprung, ist aber noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Die Spekulation lautet, dass der neulich angekündigte Suchmaschinenwechsel beim Browser-Riesen Mozilla Firefox (von Google auf Yahoo) den ewigen Zweiten endlich aus dem Google-Schatten treten lässt. Es ist allerdings eine Spekulation – und somit riskant.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2014)