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Wenn du nicht sofort...

Raufende Kinder
Raufende Buben(c) BilderBox (BilderBox.com / Erwin Wodicka)
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Das Kind brauche klare Befehle, sagt die Kinderärztin. Das fällt einem als Elternteil gar nicht so leicht.

„Sie müssen mit Ihrem Kind reden wie mit einem Hund“, hat die Kinderärztin vor zwei Jahren gesagt: „Sie brauchen ihm nichts zu erklären. Es braucht klare Befehle.“ Das klingt ziemlich hart. Hat damals aber – das Kind war in der zermürbenden „Ich teste meine Grenzen aus“-Trotzphase – geholfen.

Auch wenn es schwer fällt, im ernsten Ton „Du gehst jetzt ins Bett“ zu sagen (statt freundlich: „Schau, wenn du jetzt schlafen gehst, bist du morgen ausgeruht und fit für den Tag.“) und „Hör sofort damit auf“. Heute, mit vier Jahren, braucht man die klaren Befehle nicht mehr so oft, weil das Kind – manchmal zumindest – einsichtig ist, wenn man ihm gute Gründe liefert. (Außer es hat selbst bessere, wie etwa: „Ich will noch länger auf dem Spielplatz bleiben.“)

Ganz ohne Strafen (Fernsehverbot!) geht es trotzdem nicht. Auch wenn man gar nicht strafen möchte, schimpfen, drohen. Womöglich in einem schwachen Moment in die Wenn-dann-Falle tappen („Wenn du nicht sofort weitergehst, dann darfst du heute nicht...“).

Manchmal hilft es auch, sich in das Kind hineinzuversetzen, auch wenn einem die Erkenntnis oft erst kommt, wenn es schon zu spät ist. Wenn sich das Kind weigert, aus dem Bus auszusteigen, weil es den coolsten Platz erwischt hat. Da neigt man schnell – der Tag war lang – zum Drohen. Dabei ist es im Grunde keine schlimme Sache, eine Station später auszusteigen. „Before you criticize a man, walk a mile in his shoes“, lautet ein alter Spruch, möge er mir öfter einfallen.

Noch etwas habe ich gelernt: Man kann (ja, muss) sich auch als Erwachsener entschuldigen. Erklären, wieso man gerade so laut geschimpft hat. Das Kind ist da meist ganz gerührt. Manchmal entschuldigt es sich sogar zurück. Und plötzlich ist alles wieder gut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2014)