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Tiroler, so wild wie Wikinger

Bilder aus Schottland, gedreht in Südafrika: Szene aus der erfolgreichen Wikingersaga „Northmen“. Auch „Morbus Dei“ könnte nun verfilmt werden.
Bilder aus Schottland, gedreht in Südafrika: Szene aus der erfolgreichen Wikingersaga „Northmen“. Auch „Morbus Dei“ könnte nun verfilmt werden.Thimfilm
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Das heimische Autorenduo Zach/Bauer hat das Drehbuch zum Wikingerfilm „Northmen“ verfasst. Wie man zu zweit gut schreibt, sogar packende Romane: ein Gespräch.

Der eine sitzt in Innsbruck, der andere in Wien, beide sind 41, haben Familie, einen Job – und ganz nebenbei oder auch nicht so ganz nebenbei schreiben sie gemeinsam Drehbücher und Romane, zuletzt sehr beachtet. Von Bastian Zach und Matthias Bauer stammt das Skript zum Wikingerfilm „Northmen – A Viking Saga“. Die deutsch-schweizerische Produktion läuft derzeit in den österreichischen Kinos und ist international ein ungeheurer Erfolg. Davor haben Zach/Bauer unter anderem im Haymon-Verlag die höchst lesenswerte „Morbus Dei“-Romantrilogie veröffentlicht: Sie spielt vor drei Jahrhunderten in einem abgeschiedenen Tiroler Dorf, das ein finsteres Geheimnis hütet, führt später auch nach Wien, wo eine rätselhafte Krankheit ausbricht, ist spannend wie ein Thriller und stark mit Mystery-Elementen durchsetzt.

Legendäre Paarschreiber. Wie schreibt man gemeinsam gut? Wie teilen sich Autorenduos die Arbeit, wie machen sie es, dass der Text am Ende wie aus einem Guss erscheint? Das haben sich wohl schon vor Jahrzehnten Leser gefragt, wenn sie die Romane von besonders bemerkenswerten Paarschreibern wie den Italienern Fruttero und Lucentini, den Franzosen Boileau und Narcejac oder den Schweden Sjöwall und Wahlöö gelesen haben. Carlo Fruttero und Franco Lucentini gründeten in den 1950er-Jahren La Ditta, „die Firma“, also eine Schreibfirma, und verfassten gemeinsam wunderbare subtile Krimis und Gesellschaftsromane wie „Die Sonntagsfrau“, „Das Geheimnis der Pineta“ oder „Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz“, bis der schwer kranke Lucentini 2002 Selbstmord beging. Das Duo Pierre Boileau und Thomas Narcejac war seit den Fünfzigerjahren das Königspaar des französischen Krimis. Die beiden wollten aus dem literarisch nicht für ganz voll genommenen Kriminalroman einen „vollwertigen“ Roman machen, zu zweit konnten sie die Arbeit am Plot und die Arbeit an der Psychologie der Figuren aufteilen. Der eine (meist Boileau) kümmerte sich um die Intrige, der andere um die Figuren.

Auch wenn die Qualität kaum je an das italienische oder französische Duo heranreicht – auch heute werden vor allem Krimis gern paarweise geschrieben. In Deutschland sind etwa die Allgäuer Kobr/Klüpfel mit ihren Krimis um Kommissar Kluftinger sehr beliebt, das merkwürdigste Autorenduo aber hat sich in Mexiko gefunden: Dort schlug der Führer der Zapatistischen Befreiungsbewegung Mexikos, Subcomandante Marcos, dem bekannten Krimiautor Paco Taibo vor, gemeinsam ein Buch zu verfassen. Beide schrieben abwechselnd am Text, indem sie sich die Manuskriptteile per Mail schickten. Die einzige inhaltliche Verabredung bestand darin, dass sich die Hauptfiguren beider Autoren im siebten Kapitel am Revolutionsdenkmal in Mexico City treffen würden. Das gar nicht schlechte Ergebnis lässt sich unter dem Titel „Unbequeme Tote“ auch auf Deutsch nachlesen.

„Man muss einfach zusammenpassen“: Hört man dem in Innsbruck lebenden Matt Bauer zu, klingt das Schreiben als Duo ganz einfach. „Bastian und ich haben einander beim Bundesheer kennengelernt und gemerkt: Wir haben ähnliche Vorlieben bei Filmen und Büchern“, erzählt er der „Presse“. Das Gerüst einer Geschichte entwickeln sie gemeinsam, „dann teilen wir uns die Geschichte auf. Bei ,Morbus Dei‘ hat jedes Buch drei Teile, einer von uns hat den ersten Teil geschrieben, der andere den zweiten, den dritten haben wir untereinander aufgeteilt.“ Danach macht jeder Anmerkungen zum Text des anderen, es wird diskutiert, überarbeitet.

Computer statt Café. Carlo Fruttero und Franco Lucentini lebten nicht an den entgegensetzten Enden ihres Landes, sondern in Turin, sie konnten sich also leicht im Kaffeehaus zusammensetzen und ihre Arbeit besprechen. Ob sie es deshalb leichter hatten als das Duo Zach/Bauer heute, ist trotzdem fraglich – die neuen Medien haben schriftstellerische Ko-Produktionen viel einfacher gemacht. „Wir treffen uns für den Entwurf der Geschichte“, sagt Bauer, „der Rest geschieht fast nur über elektronische Kommunikation.“

Außer stilanalytisch geschulten Germanisten wird dem Endergebnis wohl keiner anmerken, dass hier zwei Autoren getrennt am Werk waren. „Wir sind ja nicht Shakespeare und Steven King“, lacht Bauer. „Unsere Stile sind nicht so verschieden, bei uns beiden dominiert das Visuelle, Atmosphärische. Außerdem arbeiten wir schon so lang zusammen. Und durch die gemeinsame Überarbeitung wachsen die Textteile ganz von selbst zusammen.“

Zach und Bauer arbeiten nicht nur zusammen, weil es mehr Spaß macht. „Die Ideen werden durch die Zusammenarbeit einfach besser“, ist Matthias Bauer überzeugt. „Zach oder Bauer allein würden das allein schlechter machen.“ Es habe aber auch sonst nur Vorteile, meint er. „Wenn ich an einem heißen Sommertag in meinem Arbeitszimmer sitze, und die Familie ist im Schwimmbad, ist es angenehm zu wissen, dass ein paar hundert Kilometer weiter einer ebenfalls am Computer schreibt.“ Und man habe immer einen „Airbag“ parat, die Garantie eines unmittelbaren und ehrlichen Feedbacks zur eigenen Arbeit.

Filmreifes „Morbus Dei“. Für das Wikingerfilm-Drehbuch hatten Zach und Bauer keine inhaltlichen Vorgaben außer dem Budget und der Lokalität Schottland. Gedreht wurde aus Kostengründen übrigens in Südafrika. In den USA wird „Northmen“ kommenden März von einem Kabelgiganten ins Kino gebracht.

Dem Erfolg dieses Films verdankt das Duo Zach/Bauer es auch, dass sich nun ein amerikanischer Agent intensiv um „Morbus Dei“ kümmert. Alle drei Romane werden derzeit ins Englische übersetzt, ein amerikanischer Großverlag zeigt schon Interesse. Parallel dazu laufen Bemühungen um eine US-Verfilmung.

Ursprünglich sind die Romane ja aus einem gescheiterten Filmprojekt von Zach/Bauer entstanden. „Wir hatten damals die Idee, mit den verschneiten, abgeschiedenen Tiroler Bergen ein Setting zu machen, das auch für Leute außerhalb von Österreich interessant ist“, sagt Bauer. Aber schon für österreichische Leser ist die Szenerie exotisch genug. Und die Schilderung so bildkräftig, dass man den Film „Morbus Dei“ schon beim Lesen zu sehen vermeint.

Steckbrief

Bastian Zach
wurde 1973 in Leoben geboren. Er schloss die Meisterklasse an der Graphischen in Wien ab. Seit 2007 ist er Schnitt- und Synchronregisseur in Wien.

Matthias Bauer
wurde 1973 in Lienz geboren, hat Geschichte und Volkskunde im Verlags- und Ausstellungsbereich studiert und ist in der Tiroler Erwachsenenbildung tätig.
Sabine Ranocha

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2014)