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Netrebkos Comeback: Anna und der reine Wahnsinn

(c) APA (Wiener Staatsoper/Axel Zeining)
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Nun auch in Wien: „Lucia di Lammermoor“, ohne hohes Es, aber dafür erstmals mit Glasharmonika.

Nicht allzu lange sollte die Babypause dauern: Anna Netrebko ist zurück auf den internationalen Bühnen. Wie jüngst in New York, meldet sie sich in Wien gleich mit anspruchsvollstem Repertoire. Nichts Geringeres als Donizettis „Lucia“ steht auf dem Staatsopern-Programm. Und vorsichtshalber verlautet aus der Direktion gleich vorab: Das berüchtigte hohe Es am Ende der „Wahnsinns-Arie“ wird nicht gesungen.

Es steht auch nicht in der Partitur, doch ehrgeizige Koloratur-Primadonnen lassen es sich in der Regel nicht nehmen, diesen Spitzenton „einzulegen“. Die Netrebko freilich ist alles andere denn ein typischer Koloratur-Sopran. Sie ist als „Ausdrucks“-Künstlerin par excellence berühmt geworden – auf ein paar hohe Töne kommt es angesichts der Intensität, die sie ihren Rollenporträts verleiht, nicht an. Das befand jüngst übrigens auch der Rezensent der New York Times, Anthony Tommasini, der die Netrebko gegen Angriffe in Schutz nahm.

An der Metropolitan Opera wollte die Diva anlässlich ihres Comebacks tatsächlich zu hoch hinaus, versuchte sich an den „Acuti“ – und scheiterte. Sogenannte Opernfreunde hatten nichts Eiligeres zu tun, als Aufnahmen misslungener Einzeltöne ins Internet zu stellen. An der Begeisterung für die Gestaltung der gesamten Rolle, die der Netrebko in der Met entgegenschlug, konnte all das nichts ändern.

Wien-Opernchef Ioan Holender kündigt für die vier „Lucia“-Aufführungen, deren erste heute, Samstag, stattfindet, anstelle der hohen Zusatztöne zauberische Klänge an, wie sie in „Lucia di Lammermoor“ bis dato nie zu hören waren, zumindest in Wien nicht, obwohl der Komponist sie sich eigentlich für sein Werk erträumt hatte.

 

Neue Klänge in der Oper

Erstmals in der Geschichte wird im Haus am Ring die „Wahnsinns-Arie“ von einer Glasharmonika begleitet, ein Instrument, für das einst zwar sogar Mozart komponierte, das in der Oper jedoch nur spärlich in Erscheinung tritt.

Richard Strauss schreibt die Glasharmonika in seiner „Frau ohne Schatten“ vor, um den Gesang der Ungeborenen zu begleiten – dort ersetzt man das rare Instrument in der Regel durch ein Vibraphon.

Auch Donizetti nutzt die schwebenden Klänge für die Illustration einer Grenzerfahrung: Zur Begleitung von Anna Netrebkos Gesang holte man den Glasharmonika-Spezialisten Alexander Marguerre aus Deutschland – der nach der Probe von den philharmonischen Musikern Sonderapplaus erhielt. Auch sonst gibt es Neuigkeiten für Donizetti-Verehrer. Erstmals wird in Wien nämlich auch das sonst gestrichene Duett Lucias mit Raimondo im zweiten Akt zu hören sein. Stefan Kocán, der diesen Vertrauten der Lucia singen wird, ließ übrigens auch einen bis dato geübten Missgriff korrigieren: Er singt die Arie des Raimondo in der Originaltonart E-Dur. Bisher war diese Nummer in Wien immer einen Halbton nach unten transponiert.

An der Seite Anna Netrebkos debütiert Giuseppe Filianoti als Edgardo. George Petean gibt – ebenfalls ein Debüt – den Enrico. Marco Armiliato steht am Pult. Die Netrebko wird außerdem im Mai wieder als Violetta in Verdis „Traviata“ an der Seite des Tenors Joseph Calleja zu erleben sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2009)

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