Wiener Linien: Nach dem ULF kommt „Flexity“

WIENER LINIEN: BOMBARDIER ERH�LT AUFTRAG F�R NEUE BIM-GENERATION
Flexity(c) BOMBARDIER

Die Wiener Linien haben Bombardier beauftragt, die nächste Straßenbahn-Generation zu bauen. „Flexity“ bietet 211 Gästen Platz.

Wien. Auf Wiens Straßenbahnschienen rollt bald eine neue Generation an Zügen an: Ab 2018 werden nicht mehr die ULF – die „Ultra Low Floor“-Züge aus dem Hause Siemens, Wiens modernste Straßenbahnen sein. Ihnen folgt das Modell „Flexity“ von Bombardier.

Die Wiener Linien haben nach langem Vergabeverfahren entschieden, wie die nächste Straßenbahn-Generation ausschauen wird – und, wer sie baut: Der Auftrag für bis zu 156 Niederflur-Straßenbahnen geht an Bombardier. Die ersten Flexity-Züge sollen ab 2018 geliefert werden und die Straßenbahnen des Typs E2, also die alten Hochflurwagen mit der mechanischen Stufe, ersetzen. Spätestens 2026 soll die letzte dieser alten Straßenbahnen aus dem Netz der Wiener Linien verschwunden sein.

Die neuen Flexity-Züge sollen optisch an das Grau-Rot der ULF-Züge angelehnt sein – und entsprechen diesen auch weitgehend in ihren Ausmaßen: Sie sollen 34 Meter lang sein und 211 Fahrgästen Platz bieten. Details zu den neuen Straßenbahnen wollen die Wiener Linien erst später im Dezember bekannt geben. Denn seit Bekanntgabe der Entscheidung für Flexity am Montag läuft die zehntägige Einspruchsfrist – und die könnte Konkurrent Siemens nutzen.

Schließlich geht es um einen 562-Millionen-Euro-Auftrag. Das europaweite Ausschreibungsverfahren dazu ist Ende 2013 angelaufen. Am Ende waren mit Siemens und Bombardier zwei Bieter im – davon spricht man bei den Wiener Linien – „Kopf-an-Kopf-Rennen“. Bei dem sei es vor allem um den Preis, die technische Ausstattung und die Fahrgastqualität gegangen. Näheres zur Entscheidung soll ebenfalls erst im Laufe des Dezember bekannt gegeben werden.

 

Wartung als kritischer Punkt

„Wir wollten ein Fahrzeug, das modern, bequem und umweltfreundlich ist, mit der existierenden Infrastruktur gut zusammenpasst und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet“, hält sich Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer noch vage. Bekannt ist jedenfalls, dass der Zuschlag für das österreichisch-kanadische Unternehmen auch einen Wartungsvertrag inkludiert. Die laufende Wartung werden zwar auch bei Flexity Mitarbeiter der Wiener Linien durchführen, allerdings im Auftrag und auf Risiko des Herstellers Bombardier. Bei den ULF-Zügen von Siemens ist dem nicht so. Und die Wartungsbedingungen galten schon vor der Ausschreibung als kritischer Punkt, gab es doch an den hohen Wartungskosten der ULF-Garnituren oft Kritik. So rügte etwa das Wiener Kontrollamt, dass das Service sehr teuer und die Verfügbarkeit der Züge drastisch einschränkt sei. So sei beispielsweise 2009 im Schnitt jeder vierte der insgesamt 200 Züge ständig in der Werkstatt gestanden. Bombardier hingegen kündigte 2013 an, eine Verfügbarkeitsrate von 95Prozent erreichen zu können. Wie viel die Wiener Linien nun durch die neue Wartungsvereinbarung sparen, wurde noch nicht beziffert.

 

Bedauern bei Siemens

Beim Konkurrenten Siemens bedauert man den Zuschlag für Bombardier. „Wir warten noch auf die Begründung, wie es dazu gekommen ist, dann werden wir die Details analysieren“, sagt Konzernsprecher Walter Sattlberger. Erst dann werde entschieden, ob Siemens Einspruch erheben wird. Auch sei es noch zu früh, um zu wissen, welche Auswirkungen das bevorstehende Ende der ULF-Produktion auf das Siemens-Werk in Simmering haben wird. Das hänge auch von der übrigen Auftragslage ab, so Sattlberger. Von den bisher bestellten ULF-Zügen sind laut Wiener Linien noch 45 ausständig. Sie sollen bis 2017 geliefert werden. Die Wiener Linien haben sich 2013 entschieden, nicht wie bisher auf die ULF zu setzen, sondern die Tranche neu auszuschreiben.

 

Neue ULF kommen bis 2017

Bisher stammen sämtliche Niederflur-Straßenbahnen, die in Wien seit nunmehr seit 17 Jahren unterwegs sind, aus dem Hause Siemens. Der Konzern, dem man einen guten Draht zur Rathaus-SPÖ nachsagt, hat mit der ersten ULF-Tranche mit einer Einstiegshöhe von 19 Zentimetern einst Pionierarbeit geleistet. Einige Jahre später folgte die Bestellung einer zweiten Tranche um 357 Mio. Euro. Dieser Vertrag enthielt eine Option auf eine dritte Tranche von abermals 150 Zügen – jene Option, die dann nicht wahrgenommen wurde. Diese Tranche soll nun von Bombardier geliefert werden. Wie ULF kommt Flexity übrigens aus Wien: Die Züge werden im Bombardier-Kompetenzzentrum für Straßen- und Stadtbahnen in Wien-Donaustadt gebaut. (cim)

AUF EINEN BLICK

Bis zu 156 neue „Flexity“-Züge sollen ab 2018 die alten Hochflur-Straßenbahnen der Wiener Linien ersetzen. Der Großauftrag um mehr als eine halbe Milliarde Euro geht an Bombardier.

Mitbewerber Siemens, langjähriger Hersteller der ULF-Züge, ist damit leer ausgegangen. Details zur Vergabe wollten die Wiener Linien am Montag noch nicht bekannt geben.

Ob Siemens Einspruch erheben wird und wie sich die Absage auf das Werk in Simmering auswirkt, das könne man noch nicht sagen, heißt es von Siemens.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2014)