Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

EBRD: Entsetzen über ahnungslose Hypo-Verhandler

The arts project titled ´Hypotopia´, created by students of the Vienna University of Technology, is pictured in front of the Karlskirche church in Vienna
´Hypotopia´(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
  • Drucken

In der Osteuropabank sieht man die Schuld am Platzen des Verkaufs der SEE-Gruppe in Wien und beklagt Unprofessionalität.

Wien. Der nicht gerade rund laufende Verkauf der Südosteuropatöchter der ehemaligen Hypo Alpe Adria sorgt nun offenbar für einen handfesten Krach zwischen der Osteuropabank EBRD und der Republik Österreich: Die Osteuropabanker fühlen sich vom Vorgehen des Finanzministeriums brüskiert, vermuten, dass Kreise im österreichischen Finanzministerium den Deal hintertreiben wollen und mokieren sich über „ahnungslose“ Gesprächspartner auf österreichischer Seite. Wie es gestern hieß, sei die in London domizilierte Bank, zu der sich insgesamt 61 Länder zwecks Unterstützung der Transformationsprozesse in Osteuropa zusammengeschlossen haben, aber weiterhin am Zustandekommen der Transaktion interessiert.

Wie berichtet hatten der US-Fonds Advent (80 Prozent) und die EBRD (20 Prozent) ein gemeinsames Angebot zur Übernahme der in einigen Balkanländern systemrelevanten SEE-Gruppe der Hypo gelegt. Die Verhandlungen waren weit fortgeschritten, am vergangenen Donnerstag hätte der Vertrag unterzeichnet werden sollen. Am Freitag wurde aber bekannt, dass die Transaktion vorerst geplatzt sei und der Verkaufsprozess nun (mit allen ausgeschiedenen Interessenten) neu gestartet werde. Der Grund: Advent habe am Donnerstag eine Deadline für die Unterschrift ungenutzt verstreichen lassen, man wisse nicht, warum. Am Samstag bestätigte das Finanzministerium diese Sicht der Dinge.

 

Völlig neue Vorschläge?

Bei der EBRD sieht man das aber anders: Die Verträge seien bereits fixiert gewesen – bis auf einen, der eine Bürgschaftsvereinbarung betraf. In dieser Angelegenheit habe Österreich am Mittwochabend völlig neue Vorschläge gemacht und einen in deutscher Sprache formulierten Vertragsteil vorgelegt, der erst um 22 Uhr an Advent gemailt worden sei – mit der Aufforderung, diesen bis Donnerstag 16 Uhr zu akzeptieren. Advent habe wegen des Feiertags in den USA (Thanksgiving) um Fristerstreckung gebeten, was Österreich abgelehnt habe. Stattdessen habe das Ministerium, wird bei der EBRD gemunkelt, am Freitag „geleakt“, dass die Transaktion geplatzt sei und neu aufgerollt werden müsse. Eine offizielle Verständigung hätten die Vertragspartner bis zum Wochenende allerdings nicht erhalten.

Wie es hieß, habe die EBRD noch am Freitag versucht, in Telefonaten mit Repräsentanten des Finanzministeriums die Sache zu klären, sei dort aber nur auf „Ahnungslose“ gestoßen. Die unglaubliche Posse hat dem Vernehmen nach auch die österreichische Finanzmarktaufsicht in Rage versetzt, die die Aufsichtskollegen in den betroffenen Ländern schon vom bevorstehenden Abschluss des Deals informiert habe.

Kritisch vermerkt haben die Osteuropabanker, dass sich Finanzminister Hans Jörg Schelling bisher so auffallend aus dem Hypo-Verkaufsprozess herausgehalten habe. Am Wochenende haben sie offenbar massiv versucht, Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny dazu zu bringen, bei Schelling zu intervenieren.

Das beseitigt den angerichteten Scherbenhaufen nicht. Denn der Reset-Knopf wurde vom Finanzministerium schon gedrückt. Es werden jetzt also die vorher ausgeschiedenen Bieter – unter anderem eine bulgarisch-russische Gruppe, die in Brüssel Beschwerde gegen ihre Nichtberücksichtigung einlegen wollte – wieder an Bord sein. Der Verkaufsprozess könnte jetzt wieder bis ins zweite Quartal 2015 hinein dauern; Insider zweifeln unterdessen daran, dass Advent so lange Geduld hat.

Noch etwas kompliziert den Verkauf: Für die Transaktion ist jetzt nicht mehr die Hypo Bad Bank Heta, sondern die Banken-ÖIAG Fimbag zuständig. Dieser waren die Anteile der Hypo-Osttöchter treuhändig übertragen worden.

Bei der EBRD sorgt das für zusätzliches Magengrimmen: Die Fimbag, so konnte man hören, habe weder die Kapazität und Expertise für den Deal, noch sei sie daran wirklich interessiert. Die EBRD-Banker vermuten, dass die Fimbag die Deutsche Bank, die gleichzeitig Hypo/Heta berät, als Berater an Bord holt. Damit, so hieß es, sei der nächste mediale Skandal so gut wie garantiert.

AUF EINEN BLICK

Hypo. Der vorerst geplatzte Verkauf der Südosteuropa-Töchter der früheren Hypo Alpe Adria sorgt für schwere Verstimmung zwischen der Osteuropabank EBRD und dem österreichischen Finanzministerium. Die Osteuropabanker beschuldigen die Österreicher intern, das Geschäft hintertreiben zu wollen. Die Bankgruppe muss laut EU-Vorgaben bis Ende Juni 2015 verkauft sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2014)