Schnellauswahl

Russische Luftwaffe will nach Kuba

Tupolev 95 Bear
(c) AP (Anonymous)
  • Drucken
  • Kommentieren

Die Militärs in Moskau erwägen offenbar, Langstreckenbomber in Venezuela und auf Kuba zu stationieren. Der militärische Sinn ist völlig unklar. Der Kreml rudert nun auch zurück.

Moskau/Havanna/Caracas. Ist das Tauwetter zwischen Moskau und Washington schon wieder zu Ende? Die russische Luftwaffe erwägt offenbar eine zeitweilige Stationierung ihrer Langstreckenbomber auf Kuba oder in Venezuela. Allein auf Kuba gebe es vier, fünf geeignete Flugplätze mit Landebahnen, die lang genug für Langstreckenbomber seien, sagte der Luftwaffen-Generalmajor Anatoli Schicharew nach Angaben der russischen Agentur Interfax.

Zudem habe der venezolanische Präsident Hugo Chávez den Flugplatz auf der Insel La Orchila für Starts und Landungen der strategischen Flugzeuge angeboten, erklärte der Chef der Langstreckenfliegerkräfte weiter. „Wenn es den politischen Willen gibt, sind wir bereit“, betonte Schicharew. Die russische Führung wiegelt ab: „Das Militär spricht über technische Möglichkeiten, das ist alles“, meinte daher Kreml-Sprecher Alexei Pavlov. Der Kreml wolle die Sache erst kommentieren, wenn es konkrete Entwicklungen gibt.

Überschreiten der roten Linie?

Präsident Dmitrij Medwedjew hatte auf seiner Lateinamerika-Reise im vergangenen Jahr auch seine Bereitschaft zur engeren militärischen Zusammenarbeit mit Venezuela und Kuba erklärt. Bereits im Herbst 2008 hatten zwei russische Tu-160-Bomber auf Einladung von Chávez Venezuela besucht. Nach Auskunft von Experten war dies die erste Landung russischer Langstreckenbomber in der westlichen Hemisphäre seit dem Ende des Kalten Krieges. Militärexperte Alexander Golts sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die Stationierung von Langstreckenbombern so nahe an der USA wenig Sinn ergäbe: Russland wolle damit darauf antworten, dass US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer kreuzen.

Moskau und Caracas haben Befürchtungen zurückgewiesen, dass damit den USA gedroht werden solle.

Russland sorgte zuletzt außerdem mit der Entsendung von Kriegsschiffen vor die kubanische und venezolanische Küste international für Aufsehen. Für Kuba war Russland bis zum Zerfall der Sowjetunion vor 20 Jahren der wichtigste Verbündete gegen die USA gewesen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte im Sommer vorigen Jahres Pläne einer möglichen Stationierung russischer Bomber auf Kuba dementiert, nachdem das US-Militär vor einem „Überschreiten der roten Linie“ gewarnt hatte.

(APA)