Bloßgestellt im Internet

(c) AP (Andy Wong)
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Anonym, rund um die Uhr und vor großem Publikum – Cyber-Mobbing ist auf dem Vormarsch.

Der Schulhof ist überall. Kontakt mit Freunden findet längst auch nach der Schule per Handy oder Internet statt. Und auch das Mobbing von Schülern endet nicht mehr mit dem letzten Pausenläuten. Jeder dritte Schüler zwischen 12 und 19 Jahren hat schon einmal derartige unangenehme Erfahrungen im virtuellen Raum gemacht, so ein Ergebnis der Studie „Gewalt im Web 2.0“. Cyber-Mobbing ist der Begriff, der das Bloßstellen oder Belästigen von Menschen im Internet oder mit dem Handy bezeichnet.

Der Unterschied zum Mobbing in der realen Welt ist auf den ersten Blick nicht so groß – doch Beleidigen, Beschimpfen oder der Ausschluss aus der Clique erreichen online eine andere Dimension. Das beginnt damit, dass die Option wegfällt, einfach heimzugehen und seine Ruhe zu haben. Denn Handy und Internet gehören für die Generation der „Digital Natives“ zum Sozialleben, der Verzicht darauf bedeutet Isolation.

Eine weitere Dimension ist, dass Mobbing per Internet eine viel größere Öffentlichkeit hat. Und eine größere Bandbreite – von Beschimpfungen in Textform bis zum Hochladen unangenehmer Fotos und Videos. All das ist Material, das eine Eigendynamik entwickeln kann. Denn selbst wenn Fotos entfernt werden, haben sie mittlerweile vielleicht schon den Weg auf andere Plattformen und Server gefunden. „Die Kontrolle über Inhalte wird schwieriger“, meint Bernhard Jungwirth von der Plattform Saferinternet.at.

Aber nicht nur Inhalte, auch Identitäten sind im Web leichter zu knacken. Immer wieder werden auf sozialen Plattformen Accounts unter anderen – realen – Namen angemeldet. Die reale Person, unter deren Namen dann Gerüchte verbreitet oder Lehrer belästigt werden, gerät unter falschen Verdacht. Gerade die (scheinbare) Anonymität des Netzes ist es auch, die dafür sorgt, dass Mobbing häufig noch viel heftiger ausfällt als in der realen Welt, „wo ich jedem, den ich belästige, auch in die Augen schauen muss“, so Jungwirth.


Wer ist Opfer, wer Täter? Dabei sind Opfer und Täter im Web oft nicht so genau zu trennen: „Attacken lösen Gegenattacken aus“, sagt Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart. Zum Teil handle es sich dabei um eine Art Spiel. Doch wenn es kein Spiel ist – wie wehrt man sich? Experten raten, sich jedenfalls an eine Vertrauensperson zu wenden. Und auch mit Prävention lässt sich einiges abwenden: auf die eigenen Daten achten, nicht alles preisgeben und sein Profil nicht jedermann zugänglich machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2009)

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