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Kein Gendern: Schlechtere Note ist Einzelfall

(c) Clemens Fabry
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An der Fachhochschule bfi Wien ist Gendern Pflicht. Generell wollen die Fachhochschulen diese Praxis aber nicht übernehmen.

Wien. Das geschlechtsneutrale Formulieren ist nun an einer österreichischen Hochschule Bestandteil der Note – an der FH des bfi Wien. Wer dort in seiner Bachelor- oder Masterarbeit nur die männliche Form wählt (Politiker) statt der neutralen (Politiker und Politikerinnen), dem droht der Abzug von bis zu zehn der 100 Punkte. So will es das Kollegium der FH. Generell wollen die Fachhochschulen diese Praxis aber nicht übernehmen.

„Die Sache mit der Formulierung wird an den FH ganz unterschiedlich gehandhabt, wir mischen uns hier nicht ein“, heißt es vonseiten der FH-Konferenz. Prinzipiell liegt die Entscheidung in der Autonomie der Hochschulen. Andere FH handhaben das bewusst anders: „Ich bin prinzipiell eher für Belohnung als für Bestrafung“, sagt Arthur Mettinger, Rektor der FH Campus Wien. Mettinger, selbst Sprachwissenschaftler, ist persönlich ein Freund des geschlechtsneutralen Formulierens. Auch, wenn es manchmal bei Vorträgen den Redefluss hemme. Sanktionen würde er trotzdem nicht befürworten. Und (derzeit) auch keine weitere Fachhochschule: Die Ausnahme ist die FH des bfi Wien.

 

Studentin drohte Fünfer

Bekannt wurde der Fall durch eine Studentin, die sich benachteiligt fühlte, weil ihr das Gendern als Nicht-Muttersprachlerin schwerfiel. Denn die Feinheiten um das Binnen-I oder die Schreibweisen mit Klammern wie bei Politiker(innen) oder die Sache mit dem Schrägstrich wie bei Politiker/-innen oder gar das Ausweichen ins Partizip Präsens (Studierende statt Studenten) seien für Nicht-Muttersprachler schwieriger. Der Professor sagte der Studentin damals, dass er „auch die beste Arbeit, die nicht geschlechterneutral formuliert ist, mit einem Fünfer benoten“ würde. Das dürfe aber gar nicht gemacht werden, stellte der Rektor klar. (rovi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2014)