Sparbuchalternative: Die Unternehmensanleihe

Unternehmensanleihen bringen derzeit die Verzinsung, von der Sparer nur noch träumen können. Sie sind aber riskant.

Viele Sparer bekommen in diesen Tagen Post von ihrer Bank: Die Zinsen sinken. Onlinebanken, die noch zum Jahreswechsel mit 4,6 Prozent für täglich fälliges Geld geködert haben, teilen jetzt verschämt mit, dass man leider gezwungen sei, auf Zweikommanochwas zurückzugehen.

Das war wohl nichts. Bei der derzeit niedrigen Inflationsrate ist das abzüglich Kapitalertragsteuer zwar noch keine reale Kapitalvernichtung. Aber schon verdammt nahe dran.

Wer also mehr als den unmittelbaren Bedarf für die nächste Zeit am „Büchel“ hat, sollte sich überlegen, ob er nichts Besseres damit anfangen kann. Risikoaversion ist ja was Nettes, aber reich wird man damit nicht.

Wer sich nicht den Risken des Aktienmarktes aussetzen will, könnte sich jetzt am Anleihenmarkt versuchen. Weniger mit Staatsanleihen. Die rentieren sehr niedrig und werden trotzdem immer riskanter, seit in Europa sogar ernsthaft über den Staatsbankrott von Euroländern diskutiert wird.

Aber Unternehmensanleihen, sagen Experten, könnten jetzt eine echte Alternative sein: Die sind derzeit sehr günstig zu haben und rentieren sehr hoch. Acht, neun Prozent sind bei Investment-Grade-Anleihen keine Seltenheit. Und das ist schon was in Zeiten, in denen Aktionäre, die den Schmäh von der Aktie als „Langfristanlage“ geglaubt haben und die Krise deshalb „aussitzen“ wollten, sich langsam mit Kapitalverlusten von sechzig, siebzig und noch mehr Prozent anzufreunden beginnen.

Allerdings: Unternehmen können pleite gehen. Und viele werden das im nächsten Jahr auch tun. Wer sich für eine Unternehmensanleihe interessiert, sollte sich also auf Unternehmen konzentrieren, die die Krise voraussichtlich auch überleben werden.

Davon kann man bei europäischen Bluechips wie Daimler, BASF, Unilever und dergleichen wohl ausgehen. Und dort ist jetzt auch viel zu holen. Denn in den Notierungen ist, sagen die Gurus, eine Ausfallsrate von 40 Prozent „eingepreist“. Das wäre doppelt so viel wie in der Weltwirtschaftskrise der Dreißigerjahre – und ist damit wohl stark übertrieben.

Ein Beispiel von vielen dafür, was da zu holen ist: Die Daimler Medium Term Notes 2008/15(ISIN DE000A0T06N0) mit einer aktuellen Rendite von 6,8 Prozent notieren derzeit bei 90,85. Wer die Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit 2015 behält, bekommt bis dahin jedes Jahr die Zinsen von 6,125 Prozent überwiesen. Und dann 100 Prozent für ein Papier, das er zu 90 Prozent des Nennwertes gekauft hat. Kein schlechtes Geschäft.

Vorsichtige werden trotzdem eher Anleihefonds nehmen. Die haben zuletzt ausgezeichnete Ergebnisse gebracht, wobei die Topfonds durchaus gemischt, nicht nur in Unternehmensanleihen veranlagen.

Der Beste über die letzten zwölf Monate war der in Schwedenkronen denominierte Nordea 1 Dollar Bond(LU0173919845), der in diesem Zeitraum 51 Prozent Plus schaffte. Ein sehr gutes Ergebnis (26,8 Prozent auf Jahresbasis, knapp 10 Prozent seit Jahresbeginn) hat auch der österreichische ESPABond Dollar EUR T(AT0000812961) abgeliefert. Der investiert aber nicht in Unternehmenspapiere, sondern in US-Treasuries und Eurobonds in US-Dollar.

Die Börsen sind derzeit als Revier zwar nur hart Gesottenen zu empfehlen. Aber auch hier war heuer bisher keinesfalls alles Heulen und Zähneknirschen. Derzeit gelten in diesem Sektor freilich besondere Vorsichtsmaßregeln. Beispielsweise die, dass kleine Börsen zu meiden sind. Und dass man bei großen Börsen am besten gleich beim Schmied und nicht beim Schmiedl einkauft. Das heißt, die US-Märkte sind zur Zeit wesentlich interessanter als DAX & Co.

Dort gefällt mir derzeit der Solidstatedisk-Hersteller STEC (US7847741011) sehr gut. Das kalifornische Unternehmen ist in einem vor der Explosion stehenden Markt (die Speicherkarten werden in Computern demnächst die fehleranfälligen mechanischen Festplatten ersetzen) tätig, finanziell hervorragend aufgestellt und liegt seit Jahresbeginn trotz der Kursstürze an der Wallstreet recht deutlich im Plus.

Allerdings: Als relativ „kleiner“ Wert ist die Aktie auch mörderisch volatil. Wer da zugreift, braucht also gute Nerven und einen klug gesetzten Stopp-Loss-Punkt. Ohne den sollte man den Aktienmarkt derzeit aber ohnehin nicht betreten.

Nach den starken Kursanstiegen der Vorwoche (in den vergangenen fünf Börsetagen legte die Aktie nicht zuletzt wegen der Veröffentlichung eines hervorragenden Ausblicks um gut 40 Prozent zu) ist beim Einstieg Vorsicht angesagt. Der Trendfolgeindikator MACD, der Anfang Februar bei 4,60 Dollar ein Kaufsignal generiert hatte (siehe Chart), zeigt zwar immer noch auf Kursanstieg, der Relative Stärkeindex (RSI), ein weiterer wichtiger Trendfolgeindikator, ist nach dem scharfen Kurssprung vom Freitag aber in den „überkauften“ Bereich eingetreten. Das bedeutet kurzfristig Rückschlagsgefahr. Und möglicherweise eine Kaufegelegenheit nach der absehbaren Korrektur.

josef.urschitz@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2009)

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