Dienststellenversammlungen

Diese Woche ging stundenlang nichts in den Schulen; Streiklust bei Lehrern. Verhaftungen gab es keine. Nur die Wiederkehr des Staberls.

Am Donnerstag gab es einen landesweiten Amoklauf in unseren Schulen. Wenn man unseren buntesten Medien glaubt, dann haben die Lehrer zur schärfsten Waffe des Terrors gegriffen, die Beamten zur Verfügung steht: Dienststellenversammlungen! Der arglose Bürger denkt sich vielleicht, das klingt nach bürokratischer Routine. Doch dahinter verbirgt sich Perfides, Insubordination. Die Lehrer lehnen sich gegen die rot-schwarze Regierung auf, die von „Heute“, „Krone“ und „Österreich“ seit Herbst so mühevoll schöngeredet wurde. Die Lehrer, die, wie allgemein bekannt, fahrlässig Bankencrashs, Budgetdefizit und eine verpatzte Ski-WM verursacht haben, sollen gefälligst mehr arbeiten!

Im Untergrund schwingt seit Wochen das Bildungsblatt „Heute“ sein Rohrstaberl: „Tja, Lehrer: Streik ist per Gesetz verboten!“, lautete seine Schlagzeile, lange bevor die Pädagogen am Donnerstag landesweit Dienststellenversammlungen abhielten. Waren die etwa illegal? Wo blieb die Polizei?

Auch Wolfgang Fellner, Klassenvorstand von „Österreich“, der wie ein verliebter Primus von der „eisernen Ministerin“ Claudia Schmied schwärmt, wird beim Thema Schule staatstragend. Wer jetzt auf alten Privilegien beharre, der stelle sich ins gesellschaftliche Out. „Die Lehrer sollten nicht streiken, sondern an der Zukunft mitarbeiten.“

Mit mehr Geld? Der Bildungssektor ist keine Bank, keine Bahn, kein Bauernhof. Dass die Regierung nicht ein Reform-, sondern ein Sparprogramm für die Schule fährt, interessiert den Boulevard kaum. Pragmatisierte nehmen mit mehr Unterricht den jungen Lehrern Stunden weg, die müssen dann wohl arbeitslos die Zukunft gestalten.

Für die „Krone“ („Schulen könnten demnächst tagelang geschlossen bleiben“) ist das kein Streikgrund. Claus Pándi bescheinigt den Gewerkschaftern „einen schlimmen Fall von Realitätsverlust“. Zuvor deckte der rasende Reporter auf: „Von mehreren Gymnasien wird berichtet, dass die aktuelle politische Streitfrage ,Zwei Stunden Mehrarbeit für Lehrer‘ als Aufsatzthema vorgegeben worden ist.“ Die völlig verunsicherten Kinder könnten sich tatsächlich eine eigene Meinung bilden. Wo doch die Wahrheit bereits in der „Krone“ stand.

norbert.mayer@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2009)

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