Den Schläger in die Wüste schicken

Und wieder ein Herr Brown, den keiner kennt. Oder: Woran mich die Sache mit Rihanna erinnert hat.

Jetzt bin ich endlich draufgekommen, warum mir die Sache einfach keine Ruhe gelassen hat. Die Sache mit Rihanna nämlich, die neulich auf dem Weg von der Grammy-Verleihung zu einer Party im Auto (einem Lamborghini, wie ein Internetdienst verlässlich wissen will) von ihrem Freund Chris Brown krankenhausreif geschlagen worden ist. Wobei kein Mensch weiß, wie die Sängerin an diesen Typen gelangt ist, wo sie doch davor mit der Zuckerschnecke Josh Hartnett liiert war, der wiederum einer der Liebhaber von Penelope Cruz war, die wiederum mit Orlando Bloom, Tom Cruise, Lenny Kravitz, Matthew McConaughey U-N-D Javier Bardem zusammen war (also eigentlich eh allen außer mir).

Ich war also zunächst über mein Interesse an der Geschichte verwirrt, weil ich sowohl Rihannas schreckliche Musik als auch Lamborghinis und vor allem Gewalt gegen Frauen ablehne (interessiert hätte mich nur die korrekte Bezeichnung für eine Frau, die aus Barbados stammt wie Rihanna – Barbadose?).

Aber jetzt weiß ich es: Whitney! Die Sache erinnert mich an Whitney Houston. Für alle, die nicht in den Achtzigerjahren aufwachsen mussten: Damals, da gab es da dieses Album in unseren Jugendzimmern, auf der Rückseite (also nicht der B-Seite – ihre Musik war uns ja wurscht –, sondern vom Plattencover) eine wunderbare Frau im weißen Badeanzug, unschuldig, sexy, ein Engel. Der weiße Badeanzug war übrigens von Norma Kamali, das Abendkleid auf der Plattenvorderseite von Giovanne De Maura, wie Bret Easton Ellis in „American Psycho“ schreibt, der schon gewusst hat, warum er dieser Frau gleich ein ganzes Kapitel gewidmet hat.

Und dann? Dann kam damals ein im Verhältnis zu ihr völlig unbekannter Herr Brown (der hieß Bobby statt Chris), wurde zu Whitneys Ehemann, hat den Engel verprügelt und zum Junkie gemacht, und als er schließlich mit ihr fertig war, konnte der Engel nicht mehr fliegen.

Und jetzt ist Rihanna dran. Dem gewalttätigen Herrn Brown hat Rihanna übrigens schon verziehen, obiger Internetdienst will nun abwechselnd wissen, dass sie schon geheiratet haben, zusammen schwanger sind, gemeinsam ein Lied aufnehmen. Und wer hat sich da zu Wort gemeldet? Richtig, Whitney! Die rät ihrer Kollegin, den Schläger in die Wüste zu schicken. Sie selbst hat sich übrigens erst vor zwei Jahren von ihrem Herrn Brown scheiden lassen...

Barbadierinnen habe ich mir sagen lassen.

florian.asamer@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2009)

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