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Eveline Hall: „Kein Freak auf der Bühne“

(c) Katharina Schiffl
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Vielseitige Entertainerin, gut gebuchtes Model: Eveline Hall ist besser im Geschäft denn je und erhielt in Wien den Icon Award Austria.

Eveline Hall ist 69. Früher einmal war sie Showgirl in Las Vegas, Schauspielerin, Balletttänzerin. Heute ist sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als interna-
tional gefragtes Model. Hall wurde in Greifswald, Deutschland, geboren, verkörpert ein vielseitiges Gespür für den richtigen Zeitpunkt und bewies stets Mut zum Neubeginn. Das „Schaufenster“ hat sie im Park Hyatt in Wien getroffen, wohin sie anlässlich der Verleihung des Icon Award Austria gekommen ist. Dieser Preis wurde heuer zum ersten Mal verliehen.

Sie wurden in Wien mit dem Icon Award Austria ausgezeichnet. Sehen Sie sich selbst als Ikone?
Ich habe darüber nachgedacht, aber da wusste ich noch gar nicht, dass der Preis im Grunde für all das ist, was ich in meinem Leben gemacht habe. Ein Schauspieler ist ein Schauspieler, ein Tänzer ist ein Tänzer, ein Model ist ein Model. Dass man das in fünf verschiedenen Varianten alles gelebt hat, das ist sicher selten. Und dann könnte ich sagen; „Ja, da bin ich die Richtige.“ Hoffe ich.



Welchen Bezug haben Sie zu Wien?
Mit Wien verbindet mich mehr, als Sie sich vorstellen können. Mal ganz abgesehen davon, dass Wien eine der schönsten Städte der Welt ist, hat Wien für mich professionell und freundschaftlich ganz viel Erinnerung. Vor allem im Kunstbereich, nicht nur beim Theater. Was ich toll finde, ist, dass man in Österreich die Künstler liebt. Das ist auch in der Bundesrepublik sehr bekannt, wir haben es nur nicht geschafft, es nachzumachen. Ihr habt den Haneke, den Christoph Waltz. Österreich hat Menschen, die schon Akzente gesetzt haben.


Gibt es etwas, was Sie selbst noch gern machen würden?
Malen! Ich kann nicht malen.


Der Titel Ihrer Biografie ist „Ich steig aus und mach ’ne eigene Show“. Wie sähe sie aus, Ihre ganz persönliche Show?
Der Titel basiert auf einem amerikanischen Musical, es ist ein Zwei-Personen-Stück, und die Person, um die es geht, wird bald 40. Das wieder wird in der Branche bemeckert, weil das viel zu alt ist. Diese Dame ist eine Rocksängerin und möchte gern ihrem Agenten ein neues Repertoire anbieten – er ist damit aber nicht einverstanden, und so entsteht die Geschichte. Das ist genau mein Leben. Einsteigen, aussteigen, wieder neu erfinden, nicht lockerlassen, mit den Wünschen und Aspirationen, die wir haben. Da ergab sich, dass die Realität mit den Vorstellungen, die man im Leben hat, ziemlich genau korrespondierte.


Wird diese Geschichte in Ihrem Buch erzählt?
Ja, es ist natürlich ein roter Faden. Ich bin immer wieder ein- und ausgestiegen, weil sich auch diese Möglichkeiten ergeben haben. Es liegt mir sehr viel daran, jungen Menschen mitzugeben, dass, wenn sich eine Tür öffnet, sie einfach reingehen sollen. Mut haben und es einfach ausprobieren.


Wie erkennt man diesen Moment am besten?
Das ist die gute Frage. Es ist eine intuitive Geschichte, das muss man einfach spüren. Fehler zu machen ist besser als gar nichts zu machen!


Im September waren Sie in Paris bei der letzten Prêt-à-porter-Show von Jean Paul Gaultier dabei. Wie war das?
Es ist einfach mondial, da spielt die Musik. Es sind alle da, insbesondere die Mannequins, die Models. Es ist in einem großen Umfang, es ist Paris. Er hatte fünf Frauen, die noch wesentlich älter waren als ich, Ikonen, auf die Bühne gestellt, die präsentierten. Er ist zauberhaft und lässt einen alles machen, das ist so schön, denn, wenn ich etwas mache, dann muss man wissen, warum man mich dafür nimmt, und das muss harmonieren, das muss zusammenkommen, sonst steh ich da wie ein Depp. Ich möchte nicht als Freak auf der Bühne stehen, denn ich möchte mich möglichst nicht lächerlich machen. Ich würde ja gern auch einmal mit Vivienne Westwood arbeiten. Sie ist ungefähr in meinem Alter, macht verrückte Sachen und hat auch schon für die Staatsoper in Wien Kostüme entworfen. Bei ihr könnte ich vielleicht einmal etwas in einem Kostüm darstellen, das würde mich reizen.


Meist wird darauf hingewiesen, wie außergewöhnlich es ist, dass Sie in Ihrem Alter noch Ihren Beruf ausüben: Welche Bedeutung hat für Sie das Alter, dieses magische Thema?
Das wird sich wohl nicht ändern. Wir haben einfach dieses Wort so in den Mittelpunkt gesetzt, anstatt es normal ablaufen zu lassen. Ich weiß nicht ob Sie „Casablanca“ kennen, den Film, oder „High Noon“ – da war Gary Cooper über 50, und die liebe Grace Kelly war 22. Da redet kein Mensch davon. Keiner wollte eine Liebhaberin haben, die 45 ist, das verstehe ich gar nicht! Frauen mussten immer jung und schön sein. Und die Männer konnten ein Bäuchlein haben, Hauptsache sie waren jemand.


Sie wohnen derzeit in Hamburg. Glauben Sie, dass es Sie einmal in eine andere Stadt ziehen wird?
Das kann sein, wenn meine Mutter einmal nicht mehr ist. Wir wohnen gemeinsam, und deshalb möchte ich das auch gar nicht anders haben. Es hat sich ergeben, dass eine Harmonie in unseren Charakteren ist, wo das Alter keine Rolle spielt. Eigentlich ist es ganz einfach: Menschen passen zusammen, Menschen gehören zusammen, und das hat kein Alter.

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