Nach 118 Tagen gibt Tiger Woods heute sein Comeback. Mit jugendlichem Schwung will der US-Star wieder zum Erfolg finden.
Windermere/Wien. 18 der weltbesten Spieler messen sich bei der heute beginnenden Hero World Challenge im Isleworth Golf & Country Club in Windermere, Florida, doch die Aufmerksamkeit der unzähligen Reporter und Journalisten gilt einzig und allein Gastgeber Tiger Woods. Der US-Superstar gibt bei seinem eigenen Charity-Turnier nach 118 Tagen sein Comeback und stellt sich nach hartnäckigen Rückenbeschwerden erstmals seit Anfang August wieder einem professionellen Spiel.
Woods' Rückkehr wird nicht nur von den Fans mit Spannung erwartet, sondern auch von den Experten mit Argusaugen beobachtet. Denn mit der Verpflichtung von Chris Como als neuem Schwungtrainer verblüffte der 38-Jährige vor knapp zwei Wochen die gesamte Fachwelt. Bislang arbeitete Woods ausschließlich mit den großen Namen der Szene zusammen, umso überraschender fiel die Wahl auf den Biomechanikstudenten und Golflehrer aus Dallas, der für die Öffentlichkeit noch ein völlig unbeschriebenes Blatt darstellt.
Neustart nach Seuchenjahr
Ein Neustart war für Woods unumgänglich, liegt doch hinter ihm ein Seuchenjahr, das durch die wieder akut gewordene Rückenverletzung beim PGA Championship im August vorzeitig endete. Bei nur acht gespielten Turnieren blieb der 14-fache Major-Sieger erstmals in seiner Karriere ohne Top-Ten-Platzierung, in der Weltrangliste rutschte er bis auf den 24. Rang zurück. Zudem war es die bereits fünfte Zwangspause in den letzten fünf Jahren, nach Knie und Handgelenk bereitet nun der Rücken dem US-Profi immer wieder Probleme. Als erste Konsequenz trennte er sich von Schwungtrainer Sean Foley. „Ich musste einen anderen Weg einschlagen, denn ich war physisch nicht in der Lage, die Sachen umzusetzen, die er verlangte“, erklärte er. Eigentlich wollte es Woods danach ohne Coach versuchen, doch dann brachte Notah Begay, ebenfalls Golfprofi und ein enger Freund, ihn mit Como zusammen. „Wir haben ein paar sehr interessante Gespräche über Schwungtechniken geführt. Seine Idee kam meiner eigenen Vorstellung schon sehr nah.“
Über Como ist bislang noch sehr wenig bekannt. „Golf Digest“ führt den 37-Jährigen unter den besten 40 Trainern unter 40 und nennt 1500 Dollar als Preis für eine Halbtageseinheit – das dürfte sich durch die Zusammenarbeit mit Woods wohl rasch ändern. Zur Zeit betreut Como noch drei andere PGA-Profis, der Beste von ihnen rangiert in der Green-in-Regulation-Liste allerdings gerade einmal auf Platz 94. Nicht gerade die beste Werbung, um einen Superstar für sich zu gewinnen. Das dürfte vielmehr Comos Studium und Arbeit an der Texas Woman's University im Bereich für Biomechanik und Sportverletzungen gelungen sein. Zuletzt entwickelte er eine dreidimensionale Schwunganalyse-Software mit, mit der sich etwa auch körperliche Einschränkungen einbeziehen lassen. Das dürfte genau Woods' Ansinnen treffen, dessen bisherige Technik laut Experten die Wirbelsäule zu stark belastete.
„Neuer, alter Schwung“
Zum neuen Schwung wollte Woods im Vorfeld noch nicht zu viel verraten. „Er ist neu, aber alt“, sagte er und berichtete, dass man nicht nur einen, sondern viele Schritte zurückgegangen sei. Vorbild sei die Technik seiner Jugend, als er mit bedeutend weniger Muskelmasse ähnlich explosive und lange Schläge fabrizierte. Das Schwungstudium stellte das Duo vor eine kuriose Herausforderung „Es ist gar nicht so leicht, heute noch einen Videorecorder zu finden.“
Woods fühlt sich jedenfalls mental und physisch bereit, es all jenen, die ihn bereits abgeschrieben haben, noch einmal zu zeigen. „Auch in meinem Alter kann man noch gewinnen. Du musst nicht deine Gegner, sondern nur den Platz dominieren.“
AUF EINEN BLICK
Tiger Woods tritt ab heute bei seinem eigenen Charity-Turnier in Florida erstmals nach einer fast viermonatigen Verletzungspause wieder bei einem Bewerb an. Hinter dem 38-Jährigen liegt die schlechteste Saison seiner Karriere mit nur acht Turnierantritten und keiner einzigen Top-Ten-Platzierung.
Vor Kurzem überraschte der US-Superstar mit der Wahl von Chris Como als neuem Trainer. Der 37-Jährige arbeitet und studiert im Bereich der Biomechanik und soll mit Woods' eine schonendere Schwungtechnik entwickeln.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2014)