Adieu, ihr traurigen Schafe: Die Paperbox verschwindet

(c) Stanislav Jenis
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Über Jahrzehnte war die Paperbox das letzte Refugium, um noch schnell ein Geschenk zu finden. Eine Ära, die nun zu Ende geht.

Wien. Alles doof. Es sind diese zwei Wörter, die das Phänomen Paperbox gut beschreiben. Und das gleich auf zwei Ebenen. Wegen der berühmt-berüchtigten Sheepworld-Comics, zum Beispiel. Sie gehörten in den Geschäften der Kette auf Karten, Kaffeetassen und Kuscheldecken lange Zeit quasi zur Standardausstattung – und „Ohne Dich ist alles doof“ in zahlreichen Variationen ist der wohl bekannteste Spruch der Serie mit dem traurig dreinschauenden Schaf.

Die zweite Ebene erschließt sich inhaltlich – auch alle anderen Artikel, die in den Filialen der Geschenkartikelgeschäfte zu erstehen sind und waren, lassen sich mit dem Begriff „doof“, der Ausflug ins Bundesdeutsche sei gestattet, recht gut beschreiben. Weitgehend sinnfreier Schnickschnack. Von Kaffeetassen mit Sprüchen à la „Wer hier arbeitet, muss nicht verrückt sein. Aber es hilft“ über bunt bemalte Gummienten für die Badewanne bis zur poppig bunten Geburtstagskarte.

Ab 1990 ging es bergab

Das Poppige, Bunte war schon in den Anfangstagen der Paperbox Teil des Konzepts. 1969 eröffnete Hans Rezegh das erste Geschäft in der Wiener Krugerstraße. Dort verkaufte er unter anderem jene Geschenkkarten, Faltschachteln und Kalender, die er in seiner eigenen Druckerei in Mauerbach herstellte. Das Geschäft lief gut. Und so expandierte das Unternehmen über ganz Österreich – 1990 hatte man mehr als 30 Filialen mit mehr als 100 Mitarbeitern. Doch dann begann das Werk zu stottern, die Umsätze gingen zurück. Und 1995 musste der Familienbetrieb Ausgleich anmelden, 13 Filialen wurden geschlossen. Als 1998 auch noch die Druckerei der Rezeghs Ausgleich anmelden musste, war es eigentlich schon vorbei – es folgte ein Eigentümerwechsel, Papierfachhändler Herbert Freudensprung übernahm die verbliebenen Filialen.

Diese Ära währte 14 Jahre, ehe sich auch Freudensprung von der Paperbox trennte. Die Filialen wanderten zur Staxx-Holding und wurden teils zu Funkart-Shops gemacht. Mit Neondesign statt des alten Paperbox-Logos, aber weitgehend ähnlichem Sortiment. Der Plan war, die Paperbox wieder zum „Inbegriff für originelles Schenken“ zu machen, hieß es damals. Allein, es dürfte nicht geklappt haben. Am Dienstag wurde ein Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens gestellt. Als Grund werden Umsatzrückgänge vor allem an hoch frequentierten Standorten angegeben. Laut dem Kreditschutzverband von 1870 sind rund 60 Gläubiger und 19 Dienstnehmer betroffen. Der Insolvenzverwalter will nun noch das Weihnachtsgeschäft nützen, Ende Dezember oder Anfang Jänner sollen die acht Filialen geschlossen werden. Wer danach noch nach einem schnellen Geschenk sucht, wird vor geschlossenen Türen stehen. Und dabei vermutlich denken: Alles doof.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2014)

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