Warum ich nun grellpink und neongelb leuchte

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Um 16.02 Uhr wird es heute finster. Dann jogge ich nicht mehr unbeschwert, sondern laufe nervös.

Die magische Grenze liegt im Moment bei 16.02 Uhr. Es ist der Zeitpunkt, an dem heute, Donnerstag, laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien die Sonne untergeht (einmal abgesehen davon, dass sie sich sowieso nicht blicken lässt). Und für mich beginnt um diese Uhrzeit der schmale Grat zwischen unbeschwertem Joggen und nervösem Laufen.

Denn sobald es dunkel ist, lassen raschelnde Blätter meinen Puls steigen. Höre ich Stimmen, zucke ich zusammen, und bemerkte ich hinter mir gar einen anderen Läufer, wird mein Schritt schneller. Ja: Ich habe Angst im Dunkeln. Ich halte sie auch nicht für irrational. Ich bin nun einmal lieber vorsichtig. Es wäre also definitiv nicht nötig gewesen, dass ausgerechnet mir die dramatische Geschichte von einer in einem Park verschleppten Läuferin erzählt wird. Ein fürsorglicher Kollege machte es trotzdem. Parks sind für mich damit für den Rest des Winters ab 16 Uhr tabu. Da zählt auch die belebte Hauptallee im Prater dazu. Ausnahmen mache ich nur in Begleitung. Doch wo dreht man in der Großstadt sonst seine Laufrunden? Wo gibt es Licht, wenig Bäume und viele Menschen? Für mich gibt es in Wien nur eine Antwort: die Ringstraße. Ich weiß: keine optimale Lösung – die vielen Autos, die vielen Ampeln –, aber immerhin gibt es selten so abwechslungsreiche Asphaltstrecken und so sichere noch dazu. Wobei: Gefährlich leben Läufer auch da. Der Unterschied ist, dass die Gefahr von Radfahrern und Autos ausgeht. Deshalb habe ich mich neulich fit für den Straßenverkehr gemacht. Ich leuchte nun in Grellpink und Neongelb. Das bestätigt wohl meine Neigung zur Vorsicht.

Diesmal schlage ich Ihnen übrigens keine Strecke vor. Ich drehe den Spieß um und bitte Sie, mir Tipps für meine Ausflüge im Dunkeln zu geben. Aber versprechen Sie mir bitte eines: Erschrecken Sie mich dort dann nicht.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2014)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.