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Die Talkshow mit dem Kardinal

(c) Die Presse (Fabry Clemens)
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Jugendliche fragen Kardinal Schönborn. Der antwortet – nicht immer direkt. Inszeniert ist die Runde als Talkshow im – etwas frostigen – Hof des Erzbischöflichen Palais.

Es gibt einen Moment, da wird das Publikum mit dem Kardinal etwas ungehalten. „Ich verstehe es einfach nicht“, klagt das Mädchen im roten Pullover. „Warum können Frauen in der katholischen Kirche keine Priester werden?“

Dass „die“ Kirche „weiblich ist“, wie der Kardinal sagt, will der jungen Frau nicht als Antwort reichen. Dass Kirche mehr sei, „nicht nur die Priester“, nämlich ein „großer Mutterschoß ist, wo Menschen neu geboren werden“ – auch damit gibt sie sich nicht zufrieden. Vielmehr sei das „total unverständlich.“ – „Der liebe Gott hat Adam und Eva gemeinsam die Erde gegeben“, erklärt sie, „also auch die Kirche.“ Schnippische Nachfrage: „Liegt es etwa am Mangel an Testosteron?“ Eins zu null für das Mädchen.

„Konfrontation mit dem Kardinal“ – ein ungewöhnliches Format zur Hauptabendzeit, live aus der Wiener Innenstadt: Rund vierhundert Menschen haben sich am Samstagabend im Erzbischöflichen Palais versammelt, um den Fragen der Jugend an Kardinal Christoph Schönborn zu lauschen.

Inszeniert ist die Runde als Talkshow im – etwas frostigen – Hof des Palais: Der Kardinal fühlt sich sichtlich wohl im weißen Lederfauteuil, hält das Mikrofon lässig in der rechten Hand und beantwortet gut gelaunt alle Fragen der Moderatorin und des Publikums – nicht immer sehr direkt.

Eigentlich sollte es die Heimholung der kirchenfernen Jugend werden – gekommen sind freilich großteils Erwachsene. Sie müssen sich mit den hinteren Sitzreihen begnügen – und dürfen außerdem ausnahmsweise keine Fragen stellen. Die Debatte ist Teil von „Concordia 72“, einer Jugend-Sozialaktion, die vom Jesuitenpater Georg Sporschill ins Leben gerufen wurde. Am Nachmittag haben sich Sozialinitiativen vorgestellt, ein Orchester ehemaliger rumänischer Straßenkinder spielte auf, Jugendliche konnten sich für Praktika bei Hilfsorganisationen anmelden.

Benannt ist die Aktion, die „Wohlstandsjugendliche“ für soziales Engagement gewinnen will, nach einer Stelle im Lukasevangelium, in der Jesus 72 Jünger zum Dienst in Gemeinden ausschickt. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“, heißt es. Dass diese Situation auch auf Österreich zutreffe, betont der Kardinal während des Jugendgottesdienstes in seiner Predigt – und warnt vor einer „seelischen Hungerkatastrophe“, die Opfer: Jugendliche.

 

„Gottesdienste sind langweilig“

Dass heute nur noch wenige junge Menschen regelmäßig die sonntägliche Messe besuchen (siehe Bericht unten), will der Kardinal, der „mit elf Jahren zum Glauben gefunden hat“, nicht als Versäumnis der Kirche sehen. Aber die Gottesdienste, die seien einfach so „langweilig“, klagt eine Zuschauerin. „Früher“, antwortet der Kardinal gelassen, „war die Messe noch viel langweiliger. In Latein und so.“ Und er ruft die Jugendlichen zu Geduld auf: „Manchmal braucht man einfach länger, um den Sinn der Worte zu verstehen.“

Warten? Das möchten die Jugendlichen heutzutage nicht – auch nicht bei der Sexualität, einem jener Reizthemen, zu denen sich der Würdenträger schon „hunderte Male“ äußern musste, wie er ein wenig genervt sagt. Er bleibt bei seiner – „eurer Meinung nach sicher sehr konservativen“ – Ansicht: „Sexualität wird heute von jungen Menschen zu früh ausgelebt.“

Eine junge Frau mit brünettem Haar findet es schließlich „sehr gemein“, dass die Kirche denjenigen, die „ihre Homosexualität ausleben“, die Kommunion verweigert. Schönborn: „Wenn du zu mir in den Dom kommst, werde ich nicht fragen, ob du homosexuell bist.“ Die Verweigerung der Kommunion müsse man „im Einzelfall prüfen“. Seine Nachfrage, ein wenig besorgt: „Okay?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2009)