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Uber ist schon 40 Milliarden wert

An illustration picture shows the logo of car-sharing service app Uber on a smartphone next to the picture of an official German taxi sign
Uber-AppREUTERS
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Der umstrittene US-Fahrdienst sammelt bei einer Finanzierungsrunde 1,2 Mrd. Dollar ein. Die zugrunde liegende Bewertung: 40 Mrd. Dollar. Das aggressive Wachstum geht weiter.

Wien. Kaum ein aufstrebender Internetgigant wird so bewundert und so gehasst wie der Taxikonkurrent Uber. An diesem Freitag standen zur Abwechslung wieder einmal Jubelmeldungen auf dem Programm: In einer neuen Finanzierungsrunde hat der umstrittene US-Fahrdienst 1,2 Mrd. Dollar an frischem Geld eingesammelt, um seine aggressive Expansion voranzutreiben. Bei der letzten Runde im Juni bewerteten die Investoren das Unternehmen noch mit 17 Mrd. Dollar, was damals schon als Sensationsmeldung galt. Heute sind daraus 40 Mrd. Dollar geworden. Das ist nicht mehr sehr weit von jenen 50 Mrd. entfernt, die Facebook vor seinem Börsengang im Jahr 2011 wert war.

 

Expansion in Asien

Das Wachstum ist tatsächlich beeindruckend: Vor einem Jahr konnte man in 60 Städten in 21 Ländern über die Smartphone-App einen von Uber vermittelten Miet- oder Privatwagen bestellen. Mittlerweile ist das in 250 Städten in 50 Staaten möglich. Nun planen die Uber-Manager im „War Room“ ihrer Firmenzentrale den Angriff auf die Region Asien-Pazifik.

Was der neue Konkurrent für das etablierte Taxigeschäft bedeutet, zeigt sich am besten in San Francisco, wo Uber zu Hause ist und alles 2009 begann: Die traditionellen Taxis haben dort um 65 Prozent weniger Fahrten als noch vor zwei Jahren.

Fans der Alternative freuen sich nicht nur über niedrige Preise: Für sie hat Uber einen überkontrollierten Markt oder gar ein Kartell aufgebrochen. Gegner werfen dem Fahrtenvermittler unfaire bis illegale Praktiken vor: Uber hält sich nicht an Regeln und Standards im Taxigewerbe. Neben Mietwagen gewerblicher Firmen (wie ausschließlich in Wien) sind in vielen Städten auch private Fahrer mit ihren eigenen Autos im Programm. Wer diese „Mitfahrgelegenheit“ laufend anbietet oder gar als Hauptberuf ausübt, betreibt de facto ein steuerpflichtiges Gewerbe. Ob diese Fahrer tatsächlich Umsatz- und Einkommensteuer abführen, kümmert Uber als reinen Vermittler aber nicht. Viele seiner Gegner halten den oft massiven Preisvorteil gegenüber Taxis deshalb für erschlichen – durch Schwarzarbeit.

Ein ähnlicher Vorwurf trifft die Privatzimmervermittler von Airbnb. Auch der Wert dieses Internet-Start-ups vermehrt sich rasant: Durch die Finanzierungsrunde im April wurde sein Wert auf zehn Mrd. Dollar gehoben.

Zurück zu Uber. Sein Expansionsdrang scheint derzeit nicht zu stoppen zu sein, weder durch einstweilige Verfügungen europäischer und amerikanischer Gerichte noch durch schwere Imageprobleme. Der ruppige Ton von Firmengründer und Vorstandsvorsitzendem Travis Kalanick ist berüchtigt. Seinen Wettbewerber bezeichnete er vor einigen Monaten öffentlich als „Arschloch namens Taxi“.

 

Google und Goldman im Boot

Aber nicht nur bei den Taxifahrern macht sich Uber unbeliebt. Bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten in einem New Yorker Lokal sinnierte ein Topmanager im November, wie er eine Schmutzkübelkampagne gegen eine kritisch berichtende Journalistin anzetteln könnte. Kalanick saß daneben. Erst, als die Affäre öffentlich wurde und ein Sturm des Protests losbrach, distanzierte sich der Chef von den „schrecklichen“ Äußerungen seines Mitarbeiters.

Die ins Visier genommene Journalistin nahm daraufhin die Investoren, zu denen auch Giganten wie Goldman Sachs und Google gehören, in die Pflicht: Ob sie denn Uber angesichts eines solchen Eklats weiter unterstützen wollten. Die erfolgreich abgeschlossene Finanzierungsrunde zeigt deutlich: Sie wollen. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2014)