Viele Moldauer müssen ins Ausland gehen, um Arbeit zu finden – die Kinder bleiben zurück. Mit Projekten wird ihnen nun geholfen, in ihrer Heimat eine Existenz aufzubauen.
Ghetlova. Dumitrus Vater ist in Moskau. Wie viele Moldauer arbeitet er dort am Bau, ist oft über mehrere Monate nicht bei seiner Familie. Bei Dumitru, seinem bald zweijährigen Sohn, und bei Christina, seiner Frau. Die 29-Jährige bewohnt ein kleines Haus in Ghetlova, etwa 80 Kilometer nördlich der moldauischen Hauptstadt Chisinau. Perspektiven sind hier Mangelware, so wie auch Arbeitsplätze oder gar ein soziales Netz. Für Christina, die so wie ihr Mann in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, ist es noch schwieriger – sie hat keine Eltern, keine Verwandten, keine Anlaufstelle, wenn sie nicht weiß, wie es nun weitergehen soll.
Und doch wirkt sie nicht hoffnungslos. Denn zuletzt hat sich etwas ergeben, was ihr dabei helfen könnte, sich eine kleine Zukunft aufzubauen. Mit einem schnellen Griff holt sie aus einem Käfig hinter dem Haus einen Hasen hervor und präsentiert das Tier stolz. Eine Hasenzucht – damit lässt sich der eigene Speiseplan auffetten, und sind einmal genügend Tiere da, kann man damit auch Geld verdienen. Die Idee dazu hatte Christina selbst, als sie in das Haus einzog und dabei den Stall entdeckte. Fehlten nur noch die Hasen.
Schafe zum Start
An diesem Punkt kam Concordia ins Spiel. Die Hilfsorganisation besorgte einige Tiere von einem anderen Projekt und stellte sie der jungen Familie zur Verfügung. Als Starthilfe, damit sie aus eigener Kraft der Armut und Perspektivenlosigkeit entkommen kann. Ein Modell, das in Zukunft noch deutlich ausgebaut werden soll. Gegründet 1991 vom Jesuitenpater Georg Sporschill kümmerte sich die Organisation zunächst um Straßenkinder in Rumänien, 2004 startete man mit einem Kinderheim in Moldau – und erweiterte den Aufgabenbereich nach und nach um Suppenküchen und Sozialzentren für verlassene alte Menschen.
Mit Sporschills Rückzug aus dem operativen Geschäft 2012 trat ein neues Team an – und das setzt nun einige neue Schwerpunkte. Etwa dafür zu sorgen, dass Kinder und Alte nicht mehr allein gelassen werden, indem man den Menschen die Chance gibt, sich in ihrem Heimatland eine Zukunft zu schaffen. So wie etwa auch im Dorf Tabara, wenige Kilometer südlich. Hier unterstützte man fünf Familien, indem man ihnen Schafe organisierte. 48 weibliche Tiere und ein Bock werden nun regelmäßig auf die Weiden geführt. Aus der Milch wird würziger Schafkäse gemacht, den die Familien verkaufen. Zusätzlich wird die Wolle an Webereien im Ort verkauft.
Etwa fünfzig Schafe pro Familie sind nötig, um davon leben zu können. Rund 100 moldauische Lei, etwa 60 Euro, kostet ein Schaf – zu viel, als dass sich eine Familie selbst eine Herde leisten könnte. Mit der Hilfe von Concordia ist ein Einstieg ins Geschäft möglich. Wobei es sich um kein Geschenk handelt – vertraglich ist geregelt, dass die Hilfsorganisation in drei bis fünf Jahren wieder Mutterschafe zurückbekommt. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte das Zuchtprogramm so weit gediehen sein, dass die Herde groß genug ist und die Familien davon leben können. Und einen ersten positiven Effekt hat das Projekt bereits gezeigt: Einige der Familienväter sind wieder aus Russland zurückgekommen, um hier mit den Schafen zu arbeiten.
Doch bei aller Starthilfe – gerade im Winter brauchen nach wie vor viele Menschen Hilfe zum Überleben. Brennholz etwa ist für viele Menschen in den Dörfern nicht leistbar. Hier stellt Concordia vor allem älteren Menschen eine gewisse Menge zur Verfügung, damit sie in ihren Häusern zumindest nicht frieren müssen. Gekauft wurde es schon im Frühjahr, als die Preise niedriger waren. Über den Herbst wurde es schließlich an einzelne Menschen verteilt – nämlich an jene, die sich nicht mehr selbst helfen können.
„DIE PRESSE“ HILFT!
Das Sozialprojekt „Concordia“ hilft Menschen in der Republik Moldau, Rumänien und Bulgarien. „Die Presse“ hat ein Spendenkonto eingerichtet:
Raiffeisenbank NÖ-Wien
IBAN: AT66 3200 0000 0703 4499
BIC: RLNWATWW
KW: „Die Presse Weihnachtsaktion“
Spenden an Concordia sind steuerlich absetzbar.
Compliance-Hinweis:
Die Reise des Autors in die Republik Moldau fand auf Einladung der Hilfsorganisation Concordia statt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2014)