"Rassismus tötet": Tausende US-Bürger protestieren gegen Polizei

Reuters
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In New York steht wegen tödlicher Schüsse auf einen Schwarzen eine weitere Jury-Entscheidung bevor. Erneut gab es Proteste.

In New York und anderen US-amerikanischen Großstädten ist es in der Nacht auf Samstag zum dritten Mal hintereinander zu Protesten gegen Polizeigewalt gekommen. In Manhattan versammelten sich Hunderte Demonstranten und blockierten Straßen. Es gab mehrere Festnahmen. Aktionen gab es auch in Chicago, Boston und in der Hauptstadt Washington. Auf Plakaten stand "Rassismus tötet" und "Das Leben von Schwarzen zählt".

Hintergrund der Proteste ist ein Polizeieinsatz im New Yorker Stadtteil Staten Island, bei dem im Juli ein unbewaffneter Afroamerikaner ums Leben kam. In dieser Woche entschieden Geschworene, einen beteiligten weißen Beamten nicht anzuklagen. Dagegen protestierten bereits Tausende Menschen. Sie werfen der Polizei vor, immer wieder mit überzogener Gewalt gegen Afroamerikaner vorzugehen.

Apple-Shop gestürmt

In New York beteiligten sich an den Protesten in der Nacht auf Samstag weniger Menschen als an den Vortagen. Allerdings stürmten etwa 100 Teilnehmer ein Geschäft des iPhone-Herstellers Apple und legten sich als Zeichen des Protestes unter den Augen von Kunden und Angestellten flach auf den Boden. Nach fünf Minuten verließen sie den Apple-Store wieder. Ähnliche Aktionen gab es in zwei Warenhäusern von Macy's in Manhattan. Die Polizei griff nicht ein.

Auch in anderen US-Städten kam es erneut zu Demonstrationen. Die Protestwelle zog sich bis nach Miami im äußersten Süden der USA. Dort legten Demonstranten eine wichtige Verkehrsader lahm.

Tausende aufgebrachter US-Amerikaner verlangten auch in Washington, Baltimore und anderen US-Städten Gerechtigkeit. Im Raum Boston konzentrierte sich der Protest auf die renommierte Harvard-Universität, in Chicago waren Demonstranten trotz eisiger Temperaturen stundenlang in der Innenstadt.

Neue "Bürgerrechtsbewegung"?

Im Fernsehsender CNN sprachen einige von ihnen von einer neuen "Bürgerrechtsbewegung" zugunsten von Afroamerikanern.

In diesem Jahr gab es in den USA schon mehrfach Proteste gegen Polizeigewalt. In der Kleinstadt Ferguson im Staat Missouri kam es dabei zu schweren Ausschreitungen. Auslöser war auch dort eine Entscheidung einer Geschworenen-Jury, einen weißen Polizisten nicht anzuklagen. Er hatte einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen.

Jury untersucht jüngsten Fall

Unterdessen kündigte die Staatsanwaltschaft in Brooklyn an, eine Geschworenen-Jury zum Tod des Afroamerikaners Akai Gurley einzuberufen, dessen Fall zunächst wenig beachtet worden war. Gurley war im November in einem unbeleuchteten Gang im großen Mietshaus seiner Freundin einem Polizisten über den Weg gelaufen. Der Beamte zog die Waffe und erschoss den unbewaffneten Mann.

Handgreiflichkeiten soll es nicht gegeben haben, berichtete der Sender NPR. Anders als im Fall von Michael Brown in Ferguson, Eric Garner in Staten Island und eines Zwölfjährigen in Cleveland war der Polizist, der Gurley erschoss, kein Weißer, sondern asiatischer Abstammung.

(APA/AFP)

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