AIG listet Firmen auf, die vom Geld der Steuerzahler profitierten

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AIG(c) EPA (Stephen Chernin)
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Der Versicherungs-Konzern legt offen, welche Firmen von den Finanzspritzen der US-Regierung an AIG profitierten. So erhielt Goldman Sachs 12,9 Mrd. Dollar, die Deutsche Bank 11,8 Mrd.

Seit Herbst 2008 hat der angeschlagene US-Versicherungsriese AIG fast 180 Milliarden Dollar vom Staat erhalten. So wurde eine Pleite verhindert, die zu einem Kollaps des Weltfinanz-Systems führen hätte können. Mittlerweile hält der Staat bereits 80 Prozent an AIG. Nun hat sich der Versicherer dem öffentlichen Druck gebeugt und die bisher geheim gehaltenen Namen jener Geschäftspartner veröffentlicht, die von den Finanzspritzen der US-Regierung profitiert haben. Sie erhielten zwischen September und Dezember 2008 Gelder in Höhe von rund 75 Milliarden Dollar ausgezahlt.

Demnach profitierten vor allem in die Krise geratene US-Finanzinstitute von den Geldern der Steuerzahler:

  • Goldman Sachs (12,9 Milliarden Dollar)
  • Merrill Lynch (6,8 Mrd.)
  • Bank of America (5,2 Mrd.)
  • Citigroup (2,3 Mrd.)
  • Wachovia (1,5 Mrd.)

Doch auch ausländische Bankinstitute kassierten Milliarden von AIG:

  • Deutsche Bank (11,8 Milliarden Dollar)
  • Societe Generale (11,8 Mrd.)
  • Barclays (8,5 Mrd.)
  • UBS (5 Mrd.)

Darüber hinaus zeigt die Liste auch, wie eng das Schicksal von rund 20 US-Bundesstaaten - allen voran Kalifornien - an jenes von AIG gekoppelt ist.

"AIG-Partner waren keine unschuldigen Opfer"

Das Verständnis für die Zahlungen hält sich in den USA in Grenzen. "AIG's Geschäftspartner waren keine unschuldigen Opfer", kritisierte der demokratische US-Senator Christopher J. Dodd: "Sie waren erfahrene Investoren, die große, unverantwortliche Risiken eingingen."

AIG begründete die Veröffentlichung der Liste mit der Notwendigkeit, "bei der Verwendung öffentlicher Gelder ein hohes Maß an Transparenz zu bewahren". Die Veröffentlichung sei mit der US-Zentralbank abgesprochen worden.

165 Mio. Dollar Manager-Boni werden ausgezahlt

Bereits vor der Bekanntgabe der Liste sorgte in den USA ein anderer Aspekt für Unmut. Trotz Rekordverlusten will AIG laut Bericht der "Washington Post" Manager-Boni in Höhe von 165 Millionen Dollar auszahlen. Dazu sei man vertraglich verpflichtet, sagt AIG-Chef Edward Liddy. Dem Unternehmen würden sonst Klagen wegen Vertragsbruchs drohen.

"Ehrlich gesagt: AIG sind die Hände gebunden", so Liddy. In einem Brief an US-Finanzminister Timothy Geithner warnte Liddy davor, dass zudem eine Flucht führender Mitarbeiter einsetzen könnte.

Fed-Chef Bernanke wütend

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, drückte seinen Unmut über die Zustände bei AIG in der Sendung "60 Minutes" des TV-Senders CBS aus. "Von all den Dingen, die in den letzten 18 Monaten passiert sind, macht mich die Intervention bei AIG am wütendsten".

Und weiter: "Da war diese Firma, die all jene skrupellosen Wetten einging. Als diese Wetten schief gingen, hatten wir eine Situation, in der eine Pleite der Firma das ganze Finanzsystem zu Fall gebracht hätten."

Größter Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte

Erst Anfang März gab AIG bekannt, Ende 2008 den größten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte gemacht zu haben. Der Versicherer verlor im vierten Quartal 2008 rund 61,7 Milliarden Dollar und verlangte in Folge erneut Staatshilfe.

(phu)

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