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Wo ist das Geld der Hypo?

Bis zu 20 Milliarden Euro wird die Hypo Alpe Adria wohl die Steuerzahler kosten. Das Geld steckt in faulen Krediten. Oft dürfte die Hypo dabei auch absichtlich geschädigt worden sein.

Es ist neben der Frage nach der Verantwortlichkeit wahrscheinlich die am häufigsten gestellte Frage in der Affäre rund um die Hypo Alpe Adria: Wo ist eigentlich das ganze Geld? Für die österreichischen Steuerzahler bedeutet das finanzielle Debakel der Bank ja Kosten von bis zu 20 Milliarden Euro. Dieses einst von der Bank verliehene Geld ist aber natürlich nicht verschwunden, sondern hat nur andere Besitzer.

Die Kosten bei der Hypo entstehen, wenn faule Kredite abgeschrieben werden müssen, weil sie ganz oder teilweise nicht mehr eintreibbar sind. In ihrer Hochzeit hatte die Bank Kredite im Ausmaß von 43 Milliarden Euro verliehen – für etwas mehr als die Hälfte dieser Summe haftete das Land Kärnten.

Die Kredite wurden vor allem für Immobilienprojekte sowie im Rahmen von Leasingverträgen für Jachten oder Autos auf dem Balkan vergeben. Viele dieser Projekte waren in der Zeit vor der Finanzkrise viel zu hoch bewertet, weil es auf dem kroatischen Immobilienmarkt ähnlich wie in Spanien eine Preisblase gegeben hat. Dadurch wurden beispielsweise bei einem Hotelprojekt im Jahr 2007 für Baugründe noch Preise bezahlt, die eineinhalb Jahre später – nach Ausbruch der Krise – niemand mehr zahlen wollte. Schlitterte so ein Projekt nun in die Pleite, weil es aufgrund der wirtschaftlichen Verschlechterung unrentabel geworden war, konnte auch mit den vorhandenen Sicherheiten (dem Baugrund) der Kredit nur mehr zu einem geringen Teil bezahlt werden. Der Rest musste abgeschrieben werden.

Tiefer Fall. Vor diesem Problem der „faulen Kredite“ stehen alle Banken – auch jene, die nur in Österreich tätig sind. Allerdings war in Osteuropa die Kreditvergabe vor der Krise außerordentlich expansiv und der Einbruch in der Krise besonders heftig. Ein Problem, an dem auch die anderen heimischen Banken leiden. Wenn dann aber, wie bei der Hypo, auch noch ein nicht ausreichendes Risikomanagement hinzukommt, ergeben sich schnell faule Kredite in einer Höhe, die existenzbedrohend für die Bank sind.

Abseits dieser „normalen“ Ausfälle dürfte es bei der Hypo aber auch eine ganze Reihe von faulen Krediten geben, bei denen eine Rückzahlung nie geplant war – die Bank also von Anfang an betrogen wurde. So stießen die internen Revisoren auf hunderte Leasingverträge für Jachten oder Autos, die es anscheinend gar nie gab.

Wie es dazu kommen konnte, erzählte ein Kroatien-Insider der „Presse“ bereits im Jahr 2009. So wurden etwa in Zagreb Leasingverträge für angeblich in Pula stehende Jachten unterfertigt. Überprüft, ob es diese Jachten wirklich gibt, wurde dabei oft nicht. Man vertraute auf die – gefälschten – Papiere. Da die Mitarbeiter pro Vertrag eine Provision erhielten, war für sie der Anreiz groß, so fahrlässig zu arbeiten. Mitunter dürften die Kunden beim Betrug an der Bank aber auch nicht allein gewesen sein. Ob dabei dann der Mitarbeiter in Pula, jener in Zagreb oder jemand in der Zentrale in Klagenfurt daran beteiligt war, ist derzeit Gegenstand von zig Ermittlungen in Österreich und den Balkanstaaten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2014)