Mehr als 50 Redakteure und Autoren verlassen das renommierte linksliberale Magazin aus Protest gegen Eigentümer und Facebook-Gründer Chris Hughes. Derzeit ist es somit unmöglich, eine neue Ausgabe zu produzieren.
Nach der Ankündigung von Chris Hughes, sein Magazin "The New Republic" nur knapp zwei Wochen nach der Feier zum hundertjährigen Bestehen in eine "vertikal integrierte digitale Medienfirma" umzuoperieren und von Washington nach New York zu verlegen, ist das Blatt handlungsunfähig. Die für 15. Dezember geplante Ausgabe kann nicht erscheinen, teilte Geschäftsführer Guy Vidra am Samstag in einer Mitteilung an die verbliebenen Mitarbeiter mit.
Mehr als 50 Redakteure und Autoren haben dem Magazin seit Mittwoch im Protest gegen Hughes' Vorhaben den Rücken gekehrt, darunter Chefredakteur Franklin Foer, Kulturchef und Nestor des Magazins Leon Wieseltier sowie die Pulitzerpreisträgerin Anne Applebaum - und auch Hillary Kelly, die leitende Redakteurin für digitale Medien, die während ihrer Hochzeitsreise in Afrika kündigte.
"Trotz der unglaublichen Arbeit, die Sie alle leisten, wäre es ein Risiko für die bekannt hohen Ansprüche dieser Institution, wenn wir diese Ausgabe machen würden", erklärte Vidra, ein früherer Manager von Yahoo News, das Nichterscheinen des Magazins. Die übernächste Ausgabe am 2. Februar solle allerdings wie geplant in Druck gehen.
Vor zwei Jahren hatte der heute 30-jährige Hughes das todgeweihte Magazin gekauft. „Ich glaube an den energischen kontextuellen Journalismus, den wir als Gesellschaft benötigen“, sagte Hughes damals. Als Zimmerkamerad in Harvard und Geschäftspartner von Mark Zuckerberg bei der Gründung von Facebook war er zu Reichtum gekommen, beim Präsidentenwahlkampf 2008 hatte er mit der Organisation der digitalen Kampagne in den sozialen Medien die Gunst von Präsident Barack Obama errungen.
Ruhmreiche Vergangenheit
"The New Republic" hatte damals gerade noch 34.000 Leser, aber eine ruhmreiche Vergangenheit, die 1914 mit der Gründung durch den Publizisten Walter Lippmann begann, einen gleichermaßen an Einfluss wie an Geist reichen Intellektuellen.
Wie es jetzt mit dem Magazin beziehungsweise der "vertikal integrierten digitalen Medienfirma" weitergeht, steht in den Sternen. Ein Vertrauter Hughes' erklärte zwar gegenüber dem "Wall Street Journal", man habe dank der Massenkündigung nun finanziellen Spielraum für Neuanstellungen. Ob sich "The New Republic" jedoch gegen die starke Konkurrenz intellektuell anspruchsvoller Magazine wie "New Yorker", "Atlantic Monthly" und "Harpers" durchsetzen kann, die zuletzt bereits digital aufgerüstet haben, ist zweifelhaft.