Mehrere Hedge-Fonds bereiten eine Klage gegen den deutschen Autokonzern vor. Porsche soll Kursaufschläge bei der VW-Aktie provoziert haben. Fonds erlitten dadurch Verluste in Milliardenhöhe.
Mehrere Hedge-Fonds bereiten eine Klage gegen den deutschen Autokonzern Porsche vor. Die Investoren werfen dem Sportwagenbauer vor, Kursaufschläge bei der VW-Aktie provoziert zu haben, berichtet die "Financial Times Deutschland". Dadurch hätten die Fonds 2008 Milliarden verloren.
Die Vorbereitungen für die Klagen befinden sich großteils aber noch in einem frühen Stadium. Unterstützt werden die Fonds jedenfalls vom Branchenverband Aima. Dieser berät seine Mitglieder in der Frage, welche rechtlichen Möglichkeiten sie gegen den deutschen Autobauer besitzen. Nach Angaben der Zeitung prüfen zudem mehrere Familienunternehmen, die auf die VW-Aktie spekuliert hatten, Schadenersatzansprüche zu stellen.
"Bis zu 20 Investoren könnten letztlich an verschiedenen Gerichtsständen Ansprüche geltend machen", sagte ein Anwalt. Andere Anwälte glauben an noch mehr Klagen.
VW kurzzeitig größter Konzern der Welt
Porsche hatte sich durch umstrittene Optionsgeschäfte den Zugriff auf rund 75 Prozent der VW-Aktien gesichert und somit die übliche Meldepflicht umgangen. Das löste an der deutschen Börse eine Bergfahrt aus: Der VW-Kurs vervierfachte sich binnen weniger Tage und kletterte bis zu 1.005 Euro - und wurde kurzzeitig zum nach dem Börsewert größten Konzern der Welt. Die Strategie von Hedge-Fonds, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse gesetzt hatten, war damit aber zerstört. Sie mussten die Papiere teuer zurückkaufen, um die Leihgeschäfte zu begleichen.
In Folge verlor der deutsche Börseindex DAX tagelang seine Funktion als Barometer für die Entwicklung deutscher Aktien. Zeitweilig machte die VW-Aktie 27 Prozent des deutschen Leitindex aus. Am Freitag lag die Aktie übrigens bei 215 Euro.
Mehr Gewinn als Umsatz
Durch die hohen Spekulationserlöse schaffte Porsche es im Vorjahr, mehr Gewinn (EGT) als Umsatz zu erzielen - fast eine Kuriosität bei einem Industriebetrieb. Denn aus Aktiensicherung konnten die Stuttgarter über 19 Milliarden Euro lukrieren.
Auch im abgelaufenen ersten Halbjahr 2008/09 sank der Fahrzeugabsatz, gleichzeitig stieg aber der Gewinn. Das genaue Ergebnis für August bis Ende Jänner 2009 soll mit der Vorlage des Halbjahresfinanzberichts Ende März bekanntgegeben werden, da das anteilige VW-Ergebnis des vierten Quartals 2008 den Angaben zufolge derzeit noch nicht vorliegt.
Indexfonds im Dilemma
Bereits im November hatte der Chef von Deutschlands größter Fondsgesellschaft Vorwurf wegen der Marktmanipulation erhoben. DWS-Chef Klaus Kaldemorgen warf in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Porsche vor, bewusst eine Knappheit der VW-Aktien herbeigeführt zu haben. Unter Berücksichtigung des vom Land Niedersachsen gehaltenen 20-prozentigen VW-Anteils seien nur 5,8 Prozent der Stammaktien frei handelbar gewesen. "Es muss Porsche klar gewesen sein, dass 5,8 Prozent freies Kapital nie und nimmer ausreichen, um die Nachfrage von Indexfonds zu befriedigen, die den Dax nachbilden müssen", sagte der Fondsmanager.
Prozesse nicht vor Sommer
Mit Prozessen wird nicht vor Sommer gerechnet. Bis dahin wird die deutschen Finanzaufsicht BaFin ihre Untersuchungen zu möglichen Marktmanipulationen abgeschlossen haben. Porsche bestreitet jegliches Fehlverhalten: "Wir haben uns immer vergewissert, dass wir alle rechtlichen Vorschriften einhalten. Wir sehen keine Grundlage für Gerichtsprozesse gegen uns", teilte Porsche mit.
Mitarbeiter profitierten
Profitiert haben von Aktienoptionen jedenfalls viele Mitarbeiter, wie Betriebsratschef Bernd Osterloh berichtete. Von 2002 bis Ende des vergangenen Jahres flossen durch die Wandlung von Aktienoptionen mehr als 900 Millionen Euro brutto an die Beschäftigten. Schon am Donnerstag war bekannt geworden, dass die fünf VW-Vorstände 2008 Aktienoptionen von mehr als 27,5 Mio. Euro ausgeübt haben.
(phu/ebl)