Frankreichs Präsidentenpaar ließ sich von einem dubiosen Banker einladen.
Paris. Wer finanzierte dem Ehepaar Sarkozy vor dem Beginn eines offiziellen Besuchs in Mexiko einen zweitägigen Aufenthalt in einer Luxusresidenz an der Pazifikküste? Diese Frage sorgt sowohl in Paris als auch in Mexiko für Polemik. Eigentlich sollte es geheim bleiben, dass Nicolas und Carla Sarkozy vor ihrem offiziellen Besuch in Mexiko am 8. und 9. März einen privaten Aufenthalt an der Pazifikküste im Staat Jalisco genießen wollten. Am Vorabend des Abflugs verplauderte sich die Präsidentengattin, und die Skandaljournalisten begannen zu recherchieren. Bald kamen sie ans Ziel: Die Traumvilla, in der die Sarkozys logierten, ist Teil des sehr exklusiven El-Tamarindo-Resorts, das dem Bankier Roberto Hernandez Ramirez gehört. Auf die Frage, ob und wieso sich der Präsident von einem ausländischen Geschäftsmann einladen lasse, sagten Sarkozys Mitarbeiter ausweichend, es sei der mexikanische Staat, der als Gastgeber diesen Ort zur Verfügung gestellt habe.
Die hartnäckigen Frager wiesen sie nach Mexiko-City weiter. Das wiederum erregte dort Anstoß. Der Oppositionspolitiker Mario di Constanza, ein Spezialist im Kampf gegen Geldwäscherei, wollte in einer Anfrage wissen, ob der Staat Mexiko tatsächlich Geld zu verschwenden habe. Ein Sprecher des mexikanischen Präsidenten, dem der Wirbel um die privaten Badeferien des Gastes peinlich sein musste, versuchte sich mit der vagen Erklärung aus der Affäre zu ziehen, es sei „eine Gruppe von Unternehmern“ gewesen, die Sarkozy und Gemahlin Quartier gewährt hätten.
Verbindung zum Drogenmilieu
Der mutmaßliche Spender, Roberto Hernandez Ramirez, ist Verwaltungsrat der Bank Citigroup und gilt als einer der reichsten Mexikaner. Er war auch beim Galadiner zu Ehren von Sarkozy am Ende des Staatsbesuchs zugegen. Als Chef der ehemaligen Bank Banamex aber wurde er in den 90er-Jahren von Medien wie „Narco News“ und „Por Esto!“ sehr dubioser Beziehungen zum Drogenmilieu bezichtigt und sogar vom Antidrogenspezialisten Al Giordano als „Narco-Banker“ bezeichnet. Eine Verleumdungsklage wegen dieser belastenden Enthüllungen wurde vom US-Gericht in New York abgewiesen. Eigenartig, dass der sonst so umsichtige Präsident sich nicht wenigstens erkundigt hat, bei wem er zu Gast war.
Sarkozys Hang zu Luxusreisen hatte schon früher zu reden gegeben: Als Sarkozy 2007 auf Einladung eines Pariser Juweliers in einer Residenz in Wolfeboro (New Hampshire) ausspannte oder als er für einen Abstecher nach Luxor mit Carla einen Privatjet des Milliardärs Vincent Bolloré akzeptierte. Bei kürzlichen Skiferien in Mégève beschränkte er sich darauf, kostenlos Geländefahrzeuge von Nissan zu benutzen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2009)