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Home Staging: Lifting für das Daheim

Zuckerseite. Vielleicht eine Anregung vor Familienbesuchen zu Weihnachten?(c) Beigestellt/Wohnfee
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Wohnkonzepte für den ersten Eindruck: Durch Home Staging sollen Räume in ein besseres Licht gerückt werden.

Dass diese Idee aus Hollywood kommt, verwundert kaum. Immerhin geht es darum, das vermeintlich Private stilgerecht in Szene zu setzen und nämlich die Wohnung zur Bühne zu machen, den Scheinwerfer auf räumliche Vorzüge zu richten. Das Konzept nennt sich Home Staging und funktioniert wie folgt: Haus oder Wohnung werden so ausgestattet, dass potenzielle Käufer am liebsten direkt einziehen wollen. Was nicht heißt, dass dies immer sehr einfach ist.

Bereits in den Sechzigerjahren begannen amerikanische Schauspieler, sich Hilfe bei den Ausstattern und Bühnenbildnern Hollywoods zu holen, um ihre Immobilien an den Mann zu bringen. Es wurde gesägt, gehämmert und gemalt, um den gewünschten Look von der Leinwand ins Wohnzimmer zu bringen. 1972 fand Barb Schwarz schließlich den passenden Namen dafür, entwickelte ein Geschäftsmodell und gilt seither als Erfinderin des Home Staging.

Nachzügler. In Skandinavien wird schon seit Langem munter „gestaged“.(c) Beigestellt/Wohnfee


Verschiedene Wohngeschmäcker. Was in den USA längst zum Immobilien-Alltag gehört, findet langsam auch hierzulande Verbreitung. „Die Ergebnisse unterscheiden sich aber gewaltig“, weiß etwa auch Rieke Rauert von der Berliner Home-Staging-Agentur Room No 1. Schließlich sind die Geschmäcker dies- und jenseits des Atlantiks ganz verschieden: „Die Amerikaner bevorzugen zum Beispiel eher eine gemütliche und praktikable Wohnungsausstattung, während Schweden und Dänen einen absolut cleanen und puristischen Stil verfolgen“, so Rauert. Das heißt: Während es im Norden Europas bei der Wohnungsausstattung gar nicht hell genug sein kann, vor allem auf die Farbe Weiß gesetzt wird und nur minimal farbliche Akzente gesetzt werden, geht es in Amerika eher gediegen und ruhig zu. Rauert: „Da findet man dann dunkle Farben und klassische Formen. Den mitteleuropäischen Trend sehe ich dabei genau in der Mitte – irgendwo zwischen praktikabel und modern.“

Während in den USA oder Skandinavien mittlerweile seit Jahrzehnten munter vor sich hin gestaged wird, ist diese Art der Inszenierung von Wohnräumen hierzulande nach wie vor beinahe unbekannt. Das weiß auch Yvonne Werginz von der Wiener Agentur Wohnfee: Seit drei Jahren werkt sie für Bauträger wie auch private Verkäufer und hat dabei etwa 70 Objekte für den Verkauf aufgehübscht.
Dieses Engagement soll sich freilich direkt in Zahlen ausdrücken lassen, ist Werginz überzeugt, etwa, weil es bei auf solche Art verschönerten Immobilien so gut wie nie zu langen Leerständen kommt. Rauert spricht sogar von einem um bis zu 15 Prozent höheren Verkaufserlös als bei gänzlich leer angebotenen Immobilien.

Von Papp-Küchen und Vintage-Stücken. Dabei ist eine Wohnung, die in die Hände eines Home-Stagers gekommen ist, nicht einfach möbliert – Imagination und eine gewisse So-tun-als-ob-Attitüde spielen keine ungewichtige Rolle. Schließlich kann es auch schon mal vorkommen, dass die Küche, die auf den ersten Blick so hochwertig daherkommt, bloß aus Karton besteht und auf dem Weg zum Kronleuchter gar kein Strom gelegt ist. Gezeigt wird, was sein könnte, nicht, was ist.

(c) Beigestellt/Wohnfee


Und so sind es auch die kleinen Mittel – die frischen Blumen, das indirekte Licht, das Bild an der Wand –, auf die gesetzt wird. Das Set entsteht an nur einem Tag, erzählt Werginz aus ihrem Arbeitsalltag: „Erst wird entrümpelt, gereinigt, ausgemalt, wenn nötig repariert. Dann wird die Immobilie mit Leihmöbeln, Accessoires und Licht so gestaltet, dass jeder Raum eine Funktion hat.“ Je nach Zielgruppe kommen dabei neben klassischen Design- auch Möbelhaus-Stücke und verschiedene Einzelstücke aus dem ständig wachsenden Vintage-Fundus der Home-Stagerin zum Einsatz. Zum Beispiel eine als Stehlampe upgecycelte Holz-Kleiderpuppe, eines der liebsten Wohn-Accessoires Werginz’. Es geht eben um das Besondere, Atmosphärische – darum, dass die Vorstellungskraft beim Besucher angeregt wird. Rauert: „Verschiedene, indirekte Lichtquellen sorgen für eine sanfte Stimmung, passende Tagesdecken und Kissen verleihen dem Schlafzimmer Hotelcharme, und dekorative Accessoires hauchen dem Objekt eine wohnliche Atmosphäre ein.“ Neben dem passenden Farb- und Illuminationskonzept arbeitet Rauert für ihre Immobilien übrigens nun auch noch am passenden Duft.

Mit der deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign gibt es zumindest bei den deutschen Nachbarn nun auch den passenden Ausbildner zum Job. In verschiedenen Kursen geht es dabei um den richtigen Einsatz von Textilien, die Kontaktpflege zu wichtigen Mietfirmen und allerlei dazwischen. Darüber hinaus werden Mentoren vermittelt, etwa Joseph Johnson, der zuvor unter anderem für Donna Karan New York und Burberry Flagship Stores inszenierte. Und das passt dann auch wieder zusammen. Denn ob Bühnenbild, Mode oder eben einfach eine Idee vom Wohnen – am Ende geht es stets um die Wechselwirkung von Illusion und Inspiration. s