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Migration: So viele Flüchtlinge wie nie

(c) APA/EPA/RAPANIS STEFANOS (RAPANIS STEFANOS)
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Im Jahr 2014 wagten bisher laut UN-Schätzungen 207.000 Menschen die Mittelmeer-Überquerung, 3419 kamen dabei ums Leben.

Wien/Genf. Die neuen UN-Zahlen zum Flüchtlingselend sind ein trauriger Rekord: Mindestens 348.000 Menschen haben seit Anfang 2014 gefährliche Meeresüberfahrten gewagt. 207.000 versuchten, das Mittelmeer zu überqueren, 3419 Menschen kamen dabei ums Leben. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) warnt die Staaten davor, den Fokus auf Lebensrettung aus den Augen zu verlieren. So sei das Abwehren von Fremden für manche Regierungen eine höhere Priorität als das Recht auf Asyl, zeigte sich UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres am Mittwoch bei einem Treffen mit Regierungsvertretern und Hilfsorganisationen in Genf besorgt. „Es ist ein Fehler und genau die falsche Reaktion in einer Zeit, in der eine Rekordzahl an Menschen vor Kriegen flieht.“

Guterres erwähnte die EU zwar nicht explizit – gleichzeitig ist klar, dass sich die Kritik auch gegen europäische Staaten wendet: Während „Mare Nostrum“, das italienische Programm zur Rettung von Mittelmeer-Flüchtlingen, binnen eines Jahres mehr als 100.000 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt hat, setzt das europäische Nachfolgeprogramm, „Triton“, den Fokus vermehrt auf eine Sicherung der EU-Außengrenze. Die Schiffe der EU-Mission sollen lediglich in einem Radius von 30 Seemeilen vor der italienischen Küste patrouillieren, federführend ist die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Ein EU-weiter Notfallplan gegen das Flüchtlingselend lässt indes weiter auf sich warten. Diskussionen gab es unter den Innenministern zuletzt über den Vorschlag, europaweite Resettlement-Programme für besonders schutzbedürftige Personen zu initialisieren. In so einem Fall würde das UNHCR Flüchtlinge gezielt in ihrer Herkunftsregion auswählen und in die westlichen Aufnahmestaaten bringen. Auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) spricht sich für dieses Vorhaben aus.

Während Europa aufgrund der Konflikte in Syrien, dem Irak und Libyen das Hauptziel von Bootsflüchtlingen ist, benutzen Migranten laut UNHCR noch drei weitere Seewege. 82.680 Menschen überquerten am Horn von Afrika den Golf von Aden und das Rote Meer, um in den Jemen und dann weiter nach Saudiarabien und in die Länder des Persischen Golfs zu gelangen. Rund 54.000 wagten eine Überfahrt in Südostasien, um aus Bangladesch und Burma nach Thailand, Malaysia und Indonesien zu gelangen. In der Karibik waren es knapp 5000 Menschen. Insgesamt überlebten 4245 Menschen ihre Flucht über das Meer nicht. (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2014)