Der Autohersteller soll im vergangenen Herbst den Kurs der VW-Aktie manipuliert haben. Laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ planen rund 20 Investoren eine Klage.
Wien (jaz). Das allgemeine Mitleid hielt sich Ende Oktober des Vorjahres in Grenzen. Damals verloren Hedgefonds und andere Spekulanten innerhalb von wenigen Tagen rund 30 Mrd. Euro, weil sie sich mit Leerverkäufen von VW-Aktien die Finger verbrannt hatten. Die Papiere schossen innerhalb weniger Tage nach oben, nachdem der Autohersteller Porsche plötzlich bekannt gab, bereits 75 Prozent der Aktien zu kontrollieren. Nun könnte dies für Porsche ein gerichtliches Nachspiel haben. Denn laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ planen rund 20 Investoren eine Klage wegen Kursmanipulation.
Wie „Die Presse“ mehrfach berichtete, waren die VW-Stammaktien im Herbst zu einem beliebten Spekulationsobjekt geworden. Die Hedgefonds setzten angesichts der bevorstehenden Übernahme der Kontrolle durch Porsche auf fallende Kurse. Die dahinterstehende Überlegung war, dass das Stimmrecht der Stammaktien durch einen Mehrheitsaktionär entwertet und der Kurs der Stammaktien sich jenem der stimmrechtslosen Vorzugsaktien angleichen würde.
In wenigen Tagen von 200 auf über 1000
Die Spekulanten machten daher Leerverkäufe (Short Selling). Dabei borgen sie sich Aktien von einem anderen Investor, mit der Verpflichtung, sie zu einem fix festgelegten Termin wieder zurückzugeben. Die Aktien werden verkauft und kurz vor dem Rückgabetermin wieder gekauft. Fällt inzwischen der Kurs, macht der Spekulant Gewinn.
Bei VW hatten jedoch zu viele Fonds dieselbe Idee. So waren im Oktober rund 15 Prozent aller VW-Aktien „leer verkauft“. Als dann Porsche bekannt gab, 42,6 Prozent der VW-Aktien zu besitzen und auf weitere 31,5 Prozent über Optionen zugreifen zu können, brach endgültig Panik an der Börse aus. Da das Land Niedersachsen ebenfalls 20,2 Prozent der Anteile hält, waren nur noch fünf Prozent der Aktien frei verfügbar. Es kam zu einem sogenannten „short-squeeze“. Alle Fonds wollten sich so schnell wie möglich mit VW-Aktien eindecken – die Aktie schnellte in wenigen Tagen von rund 200 auf zeitweise über 1000 Euro. VW war dadurch für einige Stunden sogar das wertvollste Unternehmen der Welt.
Porsche löste in der Folge rund fünf Prozent seiner Optionen auf. „Um weitere Kursturbulenzen zu vermeiden“, wie das Unternehmen in einer Aussendung meinte. Dabei dürfte Porsche jedoch auch Milliarden verdient haben. Entsprechende Zahlen wird Porsche erst im Halbjahresbericht nennen, der bis Ende März veröffentlicht werden soll.
Porsche beteuert, alle rechtlichen Vorschriften eingehalten zu haben. Die Fonds und andere Spekulanten wollen trotzdem gerichtlich gegen den Sportwagenbauer vorgehen. Einer davon wird nicht mehr dabei sein. Der Industrielle Adolf Merckle, der Milliarden bei VW verloren hatte, nahm sich Anfang des Jahres das Leben.
Jene VW-Aktionäre, die einen Verkauf im Oktober verpasst haben, müssen sich allerdings auch ärgern. Das Papier notiert wieder bei knapp über 200 Euro. Aufgrund der Autokrise raten 28 von 34 Analysten jedoch zum Verkauf.
AUF EINEN BLICK
■Rund 20 Hedgefonds planen laut einem Bericht der „FTD“ eine Klage gegen den Sportwagenbauer Porsche. Grund sind die plötzlichen Kursausschläge der VW-Aktie im vergangenen Herbst. Laut den Fonds hat Porsche den Kurs bewusst manipuliert. Die Spekulanten verloren rund 30 Mrd. Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2009)