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Putin will EU-Sanktionen in Indien kompensieren

Krim-Anführer Sergej Aksojonow (Mitte) traf in Indien mehrere Geschäftsleute, darunter auch Gul Kripalani (r.).
Krim-Anführer Sergej Aksojonow (Mitte) traf in Indien mehrere Geschäftsleute, darunter auch Gul Kripalani (r.).REUTERS
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Kreml-Chef Putin festigt angesichts der EU-Sanktionen seine Partnerschaft mit Indien. Einer seiner Mitreisenden sorgte für Unmut bei EU und Kiew.

Russland und Indien haben ihre Wirtschaftsbeziehungen mit neuen Lieferabkommen für Energie und Atomtechnik wiederbelebt. Kremlchef Wladimir Putin sprach bei einem Besuch in Neu-Delhi am Donnerstag von einer "besonders privilegierten Partnerschaft". Die beiden Länder unterzeichneten insgesamt 20 Verträge in Milliardenhöhe für das energiehungrige Indien.

Für Aufregung in der EU und in Kiew wird wohl die Tatsache sorgen, dass Putin den "Premier" der im März annektierten Krim mit nach Neu-Delhi nahm. Sergej Aksjonow unterzeichnete nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti eine Absichtserklärung für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Halbinsel und Neu-Delhi in den Feldern Pharmazie, Landwirtschaft und Tourismus.

Er wolle als Mitglied der Delegation des Kremlchefs Wirtschaftskontakte knüpfen, sagte Aksjonow. Er steht wegen der Krim-Annexion vom März auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Die Ukraine betrachtet die Schwarzmeerregion weiterhin als Teil ihres Staatsgebiets. Die EU und die USA sehen in Russlands Einverleibung der strategisch wichtigen Halbinsel einen Völkerrechtsbruch und haben Sanktionen gegen Russland verhängt.

Indien baut russische Atomreaktoren

Russland sucht derzeit den Schulterschluss vor allem mit asiatischen Ländern, weil es wegen der Ukraine-Krise vermehrt zu Spannungen mit dem Westen kommt. Neben den Sanktionen der Europäischen Union und der USA machen auch die stark gefallenen Ölpreise Russlands Wirtschaft zu schaffen. Indien wandte sich in den vergangenen Jahren zunehmend dem Westen zu. Im Jänner wird US-Präsident Barack Obama in Indien erwartet.

Ein zentraler Punkt der Abschlüsse zwischen Russland und Indien ist der Bau von zwölf russischen Atomreaktoren binnen 20 Jahren. Ein entsprechendes Abkommen wurde nach Angaben des russischen Staatskonzerns Rosatom am Donnerstag unterzeichnet. Derzeit baut Russland das Kraftwerk Kudankulam mit sechs Reaktoren, doch es gibt zahlreiche Verzögerungen. Ein zweiter Standort für weitere sechs Reaktoren soll nun gesucht werden. "Es wird den weltweit höchsten Sicherheitsanforderungen genügen", versprach der indische Premier Narendra Modi.

Pipeline-Überlegungen

Weitere Abkommen regeln Hilfe beim Ausbau der maroden indischen Infrastruktur und den Export von Öl und Gas nach Indien. "Russland ist die wichtigste Quelle für fossile Brennstoffe der Erde, und Indien ist einer der weltgrößten Importeure", sagte Modi. Im Abschlussdokument heißt es, die beiden Länder wollen "die Möglichkeit eines Pipeline-Systems zwischen Russland und Indien prüfen". Das Problem: Die Leitung müsste entweder durch das chinesische Himalaya-Gebiet oder Indiens Erzfeind Pakistan gehen.

Außerdem wollen die beiden Länder in der Luft- und Raumfahrt zusammenarbeiten. "Obwohl sich Indiens Optionen heutzutage vergrößert haben, wird Russland unser wichtigster Rüstungspartner bleiben", versprach Modi. Konkrete Maßnahmen wurden aber zunächst nicht benannt.

(APA/dpa/Reuters/AFP)