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Forscher wollen Pferdesehnen besser heilen

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(c) imago/Pressefoto Baumann (imago sportfotodienst)
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An der Vet-Med-Uni Wien wurde ein neues Labor eingerichtet, in dem Wissenschaftler die Regeneration von Sehnen erforschen. Die Erkenntnisse sollen sich in der Humanmedizin nutzen lassen.

Wie beim Menschen reicht oft ein falscher Schritt. Je nach sportlicher Belastung verletzen sich zwischen acht und 43 Prozent aller Pferde einmal im Leben an der Sehne. Die Heilung dauert oft mehrere Monate und das Risiko, dass sich der Sehnen-Schaden wiederholt, liegt bei bis zu 80 Prozent. Für Sportpferde kann das das Aus bedeuten.

„Verletzt sich ein Pferd an der Sehne, bleibt beim Abheilen eine Narbe. Die Sehne ist auf Lebzeiten geschwächt, daher wiederholen sich die Verletzungen auch so häufig“, sagt Iris Ribitsch von der Universitätsklinik für Pferdechirurgie der Vet-Med-Uni Wien. Anders beim ungeborenen Fötus: Dort heilt das Gewebe noch ohne Narben zu bilden. Zu verstehen, wie dieser Mechanismus funktioniert, ist daher eine wichtige Grundlage, um die Behandlung von Sehnenschäden weiter zu verbessern.

Als Modell für ihre Arbeit dienen den Wissenschaftlern Schafe: „Da sind Zwillingsträchtigkeiten häufig. Das bietet ideale Voraussetzungen, um zugleich Proband und Kontrollgruppe zu haben“, sagt Ribitsch. So seien direkte Vergleiche möglich. Erste Voruntersuchungen stimmen jedenfalls zuversichtlich: Die Forscher isolierten Sehnenzellen und untersuchten sie. In den Ergebnissen der Tests zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Für die weitere Arbeit richteten die Wissenschaftler der Pferdechirurgie, geleitet von Florien Jenner, nun ein eigenes Labor ein. Vor zwei Wochen wurde es eröffnet. „Mit dem neuen regenerativmedizinischen Labor können wir Erkrankungen an Pferdesehnen und -knorpeln weit besser untersuchen als bisher“, so Ribitsch. Geld dafür kam von der Vet-Med-Uni und aus den sogenannten Hochschulraum-Strukturmitteln. Damit sei auch die Basis für einen neuen Schwerpunkt geschaffen.

Und für ein Forschungsprojekt, an dem – neben Wissenschaftlern der Vet-Med-Uni, der Boku, der Uni Wien sowie des Austrian Institute of Technology (AIT) – seit kurzem auch Schüler der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt Rosensteingasse mitarbeiten: Sie absolvieren im vom Wissenschaftsministerium geförderten „Sparkling Science“-Projekt „Sehnenregeneration versus Sehnenreparatur“ Praktika an den Forschungseinrichtungen und schreiben ihre Abschlussarbeit für die Matura.

 

Beim Menschen einsetzen

Wissenschaftliches Ziel ist, Schlüsselfaktoren zu identifizieren, wie sich fetale und adulte Zellen bei der Heilung von Sehnen unterscheiden. Das ist auch die Basis, um die in der Tier-Therapie bereits eingesetzten Erkenntnisse aus der Zellforschung weiter zu verbessern. Die Hoffnung der Forscher ist aber zugleich, dass sich die Ergebnisse ihrer Arbeit irgendwann auch für die Humanmedizin nutzen lassen: Denn wie beim Pferd sind auch beim Menschen Erkrankungen des Bewegungsapparates besonders häufig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2014)